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Rolf Z. trifft Freunde und Helfer

Der mutmaßliche Doppelmörder ist vor Gericht in besten Händen

 

TAZ, 24.9.2014: Polizisten verprügeln in ihrer Freizeit einen Schwarzen, nachdem er Zivilcourage zeigt. Sie bleiben im Dienst.

 

Tagesspiegel, 26.10.2015: Berliner Polizist außer Dienst attackiert zwei britische Touristen in Neukölln mit Messer, weil sie „zu langsam über die Straße geschlendert sind“.

BZ, 29.11.2015: Polizist schießt leukämiekranken Mesut B. vor den Augen seiner Frau bei einer Verkehrskontrolle nieder. Er fühlte sich bedroht.

Und nun der Fall Luke Holland. Der 31-jährige Oxford-Absolvent wurde von dem 62-jährigen Nazi Rolf Zielezinski nach einem Barbesuch mit einer Schrotflinte auf offener Straße per Bauchschuss hingerichtet. Rolf passte anscheinend nicht, dass in seiner Stammkneipe kein Deutsch mehr gesprochen werde. Das erklärt vielleicht die Tat, aber nicht den Täter.

Sein Fehler: Rolf Zielezinski ist kein Polizist, sondern arbeitsloser Betonbauer, illegaler Waffenbesitzer und Hitler-Fetischist. Vor so einem muss uns die Justiz ja schützen.

Tut sie aber nicht. Erstens gibt sie solchen Leuten angesehene Jobs, zweitens hat Rolf Z. die Polizei quasi mit vorgehaltener Waffe gezwungen ihn festzunehmen. Schon beim Mord an Burak B. 2012 wurde Rolf Z. von einem Zeugen als möglicher Täter genannt. Trotzdem verweigerte die Polizei eine Gegenüberstellung der Mordzeugen mit Rolf Z.

„Die Ermittler sagen, sie seien der Frage längst nachgegangen“

Die Polizei hätte den Mord an Luke Holland verhindern können, wenn sie richtig nach dem Mörder von Burak B. gesucht hätte. Was weiß Rolf Z., dass er sich so sicher fühlt?

Hält jemand die Hand über ihn? Einer der Zeugen des Mords an Burak beantragte nun erneut Rolf Z. gegenübergestellt zu werden – die Polizei lehnte ab. Dem Anwalt der Zeugen wurde sogar gerichtlich verboten, ihnen Fotos von Rolf Z. zu zeigen!

Wenn das „Beeinflussung von Zeugen“ ist, wie nennt man es dann, wenn die Kripo den Zeugen Fotos wahlloser „Südländer“ zeigt und den kiezbekannten „Waffennarr“ deckt?

Angeblich war Rolf Z. der Polizei nicht als „organisierter“ Nazi bekannt. Na, bekannt war er aber, sonst hätte der Zeuge ihn nicht als Mörder von Burak B. genannt. Süd-Neukölln ist durchsetzt von Nazi-Cliquen. Da kann mir keiner erzählen, dass es keine Akten gibt.

Wir müssen erwarten, dass die Staatsanwaltschaft versuchen wird, diesen Terroristen als „verwirrten Einzeltäter“ zu verharmlosen. Deshalb hat die Nebenklage unter NSU-Opfer-Anwalt Daimagüler auch einen psychologischen Gutachter bestellt.

Der sammelt während der Verhandlung Hinweise aus Zeugenaussagen und aus Rolf Z.s Verhalten, um zu belegen, dass er nicht verrückt ist. Eine Schande, dass der Staatsanwalt kontrolliert werden muss: Eigentlich sollte er ja dem Angeklagten auf die Pelle rücken. Die Nebenklage sollte eigentlich keine Polizeiarbeit machen.

Erster Verhandlungstag am 14.3.2016, Amtsgericht Tiergarten. Die ersten Zeugen sind die Polizisten, die Rolf Z. in der Tatnacht festgenommen haben. Ihrer Aussage nach machte er einen gefassten Eindruck, obwohl mehrere Cops in Zivil ihn mit gezogenen Waffen auf der Straße anhielten.

Die Polizisten betonen, dass Rolf Z. geistig gesund wirkte. Im Einsatzfahrzeug habe er behauptet, von einem Mittelalterfest in Oranienburg zu kommen, wo er etwas zu viel Honigwein getrunken habe.

Auffällig wie im NSU-Prozess ist die hochwertige Verteidigung: Strafverteidiger Sebastian Schmidt torpediert den Prozess ab Beginn durch seitenlange, absurde Anträge.

Rolf Z. hingegen sieht aus wie einer, dem nicht mal in der Kleiderkammer was geschenkt würde: Nikotingelbe Mähne, struppiger Bart, kantige Visage. Wie kommt so einer an Föhnwelle Schmidt und seinen tuschelnden Co-Verteidiger? Sind auch sie Gesinnungsjuristen, so wie Heer, Stahl und Sturm, die Pflichtverteidiger von Zschäpe, die hauptberuflich Befreiungsaktionen für Bankster durchführen?

Dem Richter liegt mehr daran, die lächerlichen Anträge der Verteidigung zu „beraten“, als ein Urteil zu erwirken. Zum Beispiel behauptet der Verteidiger, dass die Übereinstimmung der Schmauchspuren an Rolf Z.s Kleidung mit der Tatwaffe kein Beweis für seine Täterschaft sei und beantragt, den Staatsanwalt auszutauschen, weil er der Strafvereitelung schuldig sei. Für so einen Quatsch lässt der Richter das Publikum eine halbe Stunde im Portalaufgang frieren.

Das ist nicht die erste Schikane: Nachdem die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. den Saal 618 veröffentlicht hatte, verlegte das Gericht den Prozess in den Hochsicherheitssaal 500. Alle Beobachter_innen müssen sich filzen lassen und dürfen nur Bleistifte und Papier mit in den Saal nehmen. Allein dieser Vorgang dauert fast eine Stunde.

Versucht der Richter die Öffentlichkeit zu vertreiben? Egal, wir sind gerade erst warm geworden. Die weiteren Termine sind für Montags und Mittwochs im April 2016 angesetzt. Kommt alle zur Prozessbeobachtung!

Wie kam dieser Rolf Z. auf sein brutales Hobby? War er mal Soldat, Polizist, Wachmann, Bandenmitglied? Vielleicht Spitzel? Woher hat er die Professionalität, auf offener Straße einen Menschen abzuknallen und dann einen gemütlichen Nachtspaziergang zu machen? Warum deckt ihn die Polizei? Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Prozess Erkenntnisse liefert.

Es geht nicht um schwarze Schafe, sondern um die braune Herde

Wahrscheinlich wird Rolf Z. verurteilt und zum Hassverbrecher aufgebauscht. Gerade durch diese Verzerrung wird er verharmlost – ein Einzeltäter ist ja kein gesellschaftliches Problem. Aber Polizisten schießen nicht aus Hass, sondern auf Befehl.

Und wenn sie dazu tendieren, „Ausländer“ „etwas rauher“ anzupacken, dann liegt das nicht daran, dass sie nicht „sensibilisiert“ sind, sondern dass die BRD gerade kurz vor dem Schießbefehl steht. Deutsche Unsicherheitskräfte brauchen keine Delfintherapie, sondern Russenpanzer.

Auch im Fall Rolf Z. werden wir keine Aufklärung erleben, außer wir schaffen sie selbst. Es ist ein Schauprozess, der die Hintergründe der Morde an Burak B. und Luke Holland nicht antasten wird. Vielleicht kriegen wir Details über Rolf Z.s Essgewohnheiten oder seinen Pornokonsum. Dabei wüssten wir doch viel lieber, wer mit ihm unter der Decke steckt.

Termine:

Amtsgericht Tiergarten, Berlin
angekündigte Fortsetzungstermine:
16.3., 21.3., 23.3., 4.4., 6.4., 11.4., 13.4., 18.4. und 25.4. jeweils um 9 Uhr.

  1. April 2016, 14 Uhr, Rudower Str. 51, Krankenhaus Neukölln

Gedächtnisprotokoll illegale Polizeikontrolle – Racial Profiling – südwestl. Ecke Waldemarstr./Adalbertstr., 3.4.2015, 16.10 Uhr

Ich saß im Erdgeschoss und sah vor der Tür eine Polizeikontrolle. 3 Beamte durchsuchten einen ausländisch aussehenden Mann, der vom Fahrrad abgestiegen war. Ihr regulärer Streifenwagen parkte auf in Fahrtrichtung auf der anderen Seite der Waldemarstraße.

Mich wunderte, warum sie seine Tasche und sogar unter seiner Mütze kontrollierten, obwohl er anscheinend nur eine Verkehrsordnungswidrigkeit begangen hatte. Ich ging zu den Beamten und fragte genau das. Immerhin hatte er seinen Ausweis – einen deutschen Personalausweis in der alten Version – freiwillig ausgehändigt und verhielt sich auch sonst sehr ruhig.

Der kleinste Polizist von den Dreien, ein blonder mit kurzen Haaren bat mich freundlich zur Seite, er würde mir das erklären. Sein größerer Kollege forderte mich etwas forscher auf, mich außer Hörweite der Beamten zu begeben, also stellte ich mich ca. drei Meter entfernt auf und wartete.

Der kleine Polizist hielt mir eine längere Ansprache, ließ mich nicht zu Wort kommen, und erklärte, diese Maßnahme sei zulässig, weil der Mann „Zeichen des Drogenkonsums“, wie glasige Augen usw. aufwies. Außerdem sei er über Rot gefahren.  Er erklärte mir sein Name sei Emmermacher (Nummer 59922, aber ich erinnere mich nicht exakt) und ich könne gerne zur Polizeidirektion Friedrichstraße gehen und mich über die Rechtmäßigkeit seines Verhaltens aufklären lassen.

Aus drei Metern Entfernung wirkte der Kontrollierte ganz normal auf mich. Er trug eine weiße Wollmütze, Jeans und eine Jacke, war nicht besonders auffällig gekleidet und hatte sich auch in letzter Zeit mal rasiert. Er war vielleicht 35, klein, normal gebaut, unscheinbar. Sein Fahrrad war ein altes, funktionales Damenrad.

Nichts wies darauf hin, dass er Händler oder Konsument von Drogen war – weder seine Kleidung, noch sein Verhalten. Den Anweisungen der Beamten kam er sofort nach, er schwankte oder schielte nicht und nahm mich auch wahr. Er sah einfach nur nicht Deutsch aus.

Ich sagte also, ich könne an dem Mann nichts Auffälliges erkennen, außer dass er etwas „fremdländisch“ aussehe. Der Polizist Emmermacher stockte sofort und sagte ich solle sehr gut aufpassen was ich jetzt sage, ob ich ihn des Rassismus bezichtigen wolle, denn dann würde er eine Anzeige wegen Verleumdung in Erwägung ziehen.

Ich fragte ihn, ob er mich verhaften wolle, in dem Fall müsste ich noch kurz meinen Ausweis aus dem Büro holen. Ich wäre froh gewesen, ihn vor Gericht wieder zu sehen. Natürlich war ich leicht aufgeregt, sein Kollege, der die ganze Zeit neben ihm stand, befahl mir die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, was ich auch tat.

Er versuchte mir „Ja sie sind ein Rassist!“ zu entlocken, mich aus der Fassung zu bringen. Ich sagte jedoch, er solle mich einfach verhaften, wenn ihm danach sei, ich wollte mich nicht noch deutlicher ausdrücken und ihm noch Munition liefern.

Der kontrollierte Mann war inzwischen weitergefahren, glücklicherweise hatten sie bei ihm nichts Belastendes gefunden. Wer sucht, der findet ja meistens und ich kenne Fälle von Leuten, die schon wegen des Mitführens einer Schere angeklagt wurden.

Zwei meiner Koleg_innen beobachteten die Szene aus der Fenstertür, aus ca. 5 Metern Entfernung. Die drei Polizisten entschieden sich, mich nicht feszunehmen. Ich wünschte ihnen noch viel Spaß und ging zurück ins Gebäude, sie fuhren weiter.

In gefährlichen PoliZeiten

Ein Polizeiforscher benennt die Überforderung, die bei vielen jungen Anwärter_innen ausbricht, wenn sie Demonstrant_innen gegenüberstehen.

Paranoide Reaktionen sind aber Resultat der Entmenschlichung, nicht der “wilden” Proteste. Die schwer gepanzerten, planlosen Polizist_innen müssen die Situation wie einen apokalyptischen 3D-Shooter wahrnehmen. Meistens wissen sie ja nicht mal wirklich, warum die Leute protestieren, sondern wurden aus ihrem Provinznest in die Stadt gekarrt um “Ordnung” zu schaffen, aus dem Transporter gepfiffen, rennen schwitzend durchs Getöse und sehen nur die Hälfte.
Ich habe öfters blutjunge Polizisten unter dem Helm weinen sehen, wahrscheinlich vor Wut – und nicht einmal in besonders brenzligen Situationen. Wenn so ein schwerbewaffneter, hormongeladener Jüngling ausrastet, dann ist das Resultat nicht anders, als beim gemeinen U-Bahn-Schläger. Da wird dann schonmal eine siebzehnjährige Gymnasiastin mit Pfefferspray geduscht und mit dem Kopf gegen den Einsatzwagen geschlagen.
Dass der tägliche Kriegszustand in dem sich die Polizei mit der Gesellschaft befindet Spuren hinterlässt, beweist auch der Fall Tino Prenzel und Felix Trautzsch. Diese zwei Berliner Kommissare waren an den Menschenjagden im Görlitzer Park beteiligt. Nach Dienstschluss gingen die beiden sturzbetrunken auf eigene Faust “Schwarzafrikaner” jagen. Ihr couragierter Einsatz für die Nachbarschaft endete damit, dass sie um 8 Uhr morgens einen unbeteiligten Bauarbeiter direkt vor dem Schaufenster einer Kita verprügelten. Die beiden sind noch im Dienst, wurden zu unerheblichen Geldstrafen verurteilt. Der Staatsanwalt setzte die Strafe so niedrig wie möglich an.
Der Zeugenaussage zufolge reagierten die zwei wie scharfe Hunde, waren nicht aufzuhalten. Wir dürfen nicht denken, dass nur weil die Cops noch besser trainiert, noch härter gemacht, sie “professioneller” handeln. Sie werden brutaler und gefährlicher. Wer nicht als Nazi in die Truppe geht, kommt als Nazi wieder raus.
Bürgerliche Stimmen, die das offen kritisieren, wie der kritische Polizist und ehemalige Bundestagsabgeordnete Thomas Wüppesahl (“50% der Bereitschaftspolizei sind rechtsradikal”), werden schnell ausgeschaltet. So hängten seine eigenen Kollegen dem kurz vor der Pensionierung stehenden Whistleblower ein Raubmordkomplott an. Die Gerichte spielten mit, verpassten ihm 4 Jahre Knast.
Die angeblichen “Verletzungen” die Polizist_innen erleiden, sind oft medizinisch gar nicht festzustellen, sondern dienen nur als Vorwand, um Demonstrant_innen anzuklagen und die Pressemeldung aufzuhübschen. Wer sich der Festnahme wehrt, hat schnell drei “schwerverletzte” Einsatzcops und die Staatsanwaltschaft am Hals.
Zur Legende der unparteiischen Polizei: Kaum eine linke Demo bleibt ohne Festnahmen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ließ 2013 eine spontane Spaßdemo gegen ihre eigene “Mehr-Pfefferspray-Kundgebung” stundenlang in der Kälte einkesseln und verprügelte eine Frau vor den Augen schockierter ver.di-Mitglieder.
Obwohl die Abkürzungsnazis jetzt wöchentlich in allen Großstädten aufmarschieren, Jugendliche durch Kaufhäuser jagen, Reporter_innen schlagen, verfassungsfeindliche Propaganda verbreiten, werden sie nie festgenommen. Die Pogrome Anfang der 1990er hätten ohne passive Unterstützung der Polizei nicht stattgefunden.
Einer der ersten Schritte Hitlers war, die damals sozialdemokratisch “unterwanderte” Polizei gleichzuschalten. Vielleicht wäre es Zeit das rückgängig zu machen.

Herrmanns Helfer – Heimatschutz zu Gast in Kreuzberg

Heimatschutz Henkel

19.2.2015, 19 Uhr. Chip Jugendzentrum,  Berlin-Kreuzberg Der Saalschutz steht schon am Eingang. Schwarze Binden, dicke Arme – und die einzigen “Mihigranten” von 200 Teilnehmenden (ausser die Jungs hinter der Theke). Trotz dieser schamlosen Weissheit brüllt Monika Herrmann zum Finale dem gegnerischen  Publikum zu: “Ich tu das auch für die Migranten, die zu mir in die Bürgersprechstunde kommen.” Erinnert an den Abgang von Stasi-Chef Mielke in der Volkskammer: “Ich liebe euch doch alle!” Für die Migranten, die keine Bürger sind, hat Monika Innensenat, Polizei und Ordnungsamt eingeladen. Als Kuschelbrigade dürfen ein Heini vom Unternehmerverband Club Commission (“blooooosz nix von Drogen, wir wollen nur Party”) und eine Vertreterin des Afrodeutschen-Vereins Joliba (“Wir können doch auch nichts ãndern”) die Laudatio für Monikas Task Force halten. Blöderweise sind auch einige Migranten da, die nicht in die Bürgersprechstunde dürfen. Und ihre Unterstützer. Obwohl ich persönlich inzwischen als Gegner komme. Hab keim Bock mehr meinen Hass gegen Grüne hinter Liebe für Flüchtlinge zu verstecken. Innensenatssekretär Krömer (der in den 80ern bei der Rausländerbehörde war) kommt nicht zu Wort. Die Moderatorin ruft 10 Minuten pause aus, “damit alle Gegner den Saal verlassen können.” 10 min sind um, war nix. So zieht die Moderatorin die Publikumsfragen etwas vor. Jetzt dürfen sich die Ordnungshüter 1 Stunde lang anhõren, wie sie den Gõrli zum Ghetto machen. Wie ihre Bullen Menschen jagen, ausrauben, ihre Pässe stehlen oder besoffen frühmorgens “Schwarzfrikaner” vor einem Kinderladen verprügeln.  Einer aus dem Park gesteht offen: “Ja ich deale.” Und bricht in Tränen aus. Ein Redner ruft eine Schweigeminue für Sista Mimi aus. Ratten-Nazi Wansner (CDU) und seine christlichen Freunde bleiben – als einzige – demonstrativ sitzen. Sogar einige Bürgi-Schwachmaten kommen zu Wort. Es geht um die Kinder und pflanzen und blaaa. Erst kurz vor 9 geht das Mikro an die Podiumsgäste. Trotzig lädt jeder seine 10 Sätze Heimatschutz ab. Niemand hörts. Der Saal tobt. Die Dooferatorin bittet um Handzeichen, falls “die Mehrheit” wünscht dass “die Störer” mit Gewalt geräumt werden. In der Not greift der Tyrann stets zur Volksbefragung. Leider verweigern selbst die Wut-Omis aus dem Kirchencafe ihr Handzeichen. Die Presseleute kriegen ihre Show. Eine von der TAZ (Transatlantisches Zentralorgan) fragt uns, warum wir den Krömer nicht einfach reden lassen.Die Nazis wollten auch nur reden. Und ihre Mordkommandos begannnen als einfache Saalschützer. Nee danke. Außerdem kennt Frau Taz ja die Problemlage. Aus der Zeitung. “Willste nicht mal die Anwesenden aus dem Görli befragen?” “Nee brauch ich nicht. Als Journalistin weiß ich ja was da los ist.” Die “zivilisierte” Bürgerversammlung unter Vorsitz der Polizei ist geplatzt. Aber heute nacht gehen die “weissen Wixer” (Herrmann) weiter auf Menschenjagd. Und Herrmann pienst rum weil wir sie rassistisch nennen. Red dir ruhig weiter ein, du könntest noch tiefer sinken. Ich lache über Bärgida. Mein Problem ist Monika.

Warum nicht mal zum Alibi nen Wohlfahrtsverband oder Amnesty eingeladen? Warum nur Task Force-Faschos? Und warum hat der Veranstalter Pannhof nicht ein Wort gesagt? Wir wissen wie ein Kriegsrat aussieht.

Nicht Zuschauen beim Zuschlagen

Polizei nimmt „ausländisch aussehenden“ Spaziergänger fest, Einsatzleiter raubt Zeugen das Handy, löscht Beweismaterial, verbirgt Dienstnummer und lügt bei Nachfrage

Berlin-Neukölln, Ecke Naumburger Str./Lahnstr. 18.15 Uhr. Ich fahre mit einem Kollegen in seinem Auto von der Arbeit heim, Material abladen. Auf der Lahnstraße in Richtung Karl-Marx-Straße, auf Höhe der einmündenden Naumburger Straße, rennt auf dem Bürgersteig ein Polizist in Einsatzmontur an uns vorbei – groß, blauäugig, blonde Haare zur Glatze rasiert, Nickelbrille. Ich werde ihm später wieder begegnen.

Der blonde Hüne hält einen „ausländisch aussehenden“ jungen Mann fest, der friedlich auf dem Bürgersteig spaziert. Mein Kollege und ich parken auf der gegenüberliegenden Seite der Lahnstraße, knappe 100 Meter entfernt, und entladen einige Kisten. Wir sehen, wie der Mann sich vor zwei Polizisten umdrehen muss, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er leistet keinen Widerstand und scheint eher überrumpelt als aufgeregt. Wir beschließen erstmal nur zu beobachten.

Als wir unsere Kisten auf einem Klapptisch auf dem südlichen Bürgersteig der Lahnstraße entlang tragen, hat bereits ein Einsatzwagen mit der Nummer 13 und dem Kennzeichen B-31115 auf unserer Seite geparkt. Der Verhaftete wird von mehreren Polizisten über die Lahnstraße in den Einsatzwagen geführt, der in Fahrtrichtung hinter der Kreuzung Naumburger Str./Lahnstr. steht. Wir laufen direkt daran vorbei und stellen unseren beladenen Klapptisch vor der Ampel über die Naumburger Straße ab.

Der Verhaftete, von unbedrohlicher Statur, ist mit mehreren breitschultrigen Beamten im Einsatzwagen verschwunden. Mein Kollege und ich wundern uns, warum für die Verhaftung eines einzelnen Fußgängers ein ganzer Einsatzwagen anrollt. Es hätten ihn auch zwei reguläre Streifenpolizisten freundlich um seine Personalien bitten können.

Ich zücke mein Smartphone und filme die Szene. In letzter Zeit weißt du ja nicht mehr, was von der Polizei zu halten ist – mal rennen betrunkene Beamte nach Feierabend rum und verprügeln „Schwarzafrikaner“, wenn sie sie nicht gleich anzünden, oder sie verhaften Rentnerinnen.

Besonders gegen „Ausländer_innen“ gehen die Polizisten gerne gewalttätig vor – vielleicht ein Grund, warum in den Einsatzkommandos fast nur „reinrassige“ Deutsche zu finden sind. Wer will schon einen Job, bei dem du irgendwann die eigene Oma verprügeln musst?

Als wehrhafter Demokrat sehe ich mich in der Pflicht, das Vorgehen der Polizei zu dokumentieren. Bis auf die Fahrerin sind alle Polizisten im Einsatzwagen, durch die halboffenen Gardinen sehe ich fast nichts und ich wahre mindestens 2 Meter „Respektsabstand“, um ja keine Zuckungen bei meinen schwerbewaffneten Landsleuten hervorzurufen.

Die Fahrerin, eine junge Frau, ca. 165 cm, mit rotbraun-getöntem Haar, zum Pferdeschwanz gebunden, fragt mich, was das soll. Ich lasse meine Kamera weiterlaufen. Ich sage ihr, dass ich nur zusehen will, ob der Verhaftete freundlich behandelt wird. „Immer doch, wir sind ja die Polizei,“ antwortet sie. Ihr offener Sarkasmus verrät, dass sie schon viel gesehen hat.

Mein Kollege und ich filmen die Szene etwa zehn Minuten lang. Nachdem die Fahrerin etwas in den Transportraum ruft, ziehen die Kollegen die Gardinen zu. Demonstrativ steckt ein Schlagstock hinter dem Seitenfenster. Später wird uns gesagt, unser Blick müsse „zum Schutz des Verhafteten“ behindert werden.

Es ist klar, dass die Beamten sich selbst schützen wollen. Wer bittet schon darum, die Gardinen zuzuziehen, wenn er_sie mit mehreren Bewaffneten eingesperrt ist? Das ist, wie darum zu bitten, „zur eigenen Sicherheit“ im Gestapo-Keller zu verschwinden. Wenn ich bei Verhaftungen darum gebeten habe, die Gardinen nicht zuzuziehen, wurde ich bislang ausgelacht.

Viele Passant_innen huschen eingeschüchtert am Einsatzwagen vorbei. Zwei „harte Jungs“ geben uns Zuspruch und fluchen auf die Polizei, gehen aber schnell weiter. Einige Männer mit bloßem Oberkörper schauen uns gespannt aus dem dritten Stock eines Hauses von der gegenüberliegenden Straßenseite zu, machen aber keinen Mucks.

Ich verstehe nicht, warum die gesamte Bevölkerung so angsterfüllt scheint, es sind doch bloß unsere freundlichen Ganovenschrecke aus Film und Fernsehen. Ja gut, sie sind gepanzert und bewaffnet, aber solange wir keine Handtaschen klauen, sind sie doch auf unserer Seite?

Denkste! Gegen 18.30 sehe ich auf der diagonal gegenüberliegenden Straßenecke vier Polizisten breitbeinig stehen, einer hat sein Handy gezückt und fotografiert uns grinsend. Ich filme zurück, obwohl man auf 50 Meter Entfernung nicht viel erkennt. Dann filme ich weiter den abgeriegelten Einsatzwagen von der Seite.

Plötzlich stehen die vier hinter uns: „Was soll das? Hör sofort auf“, brüllt der Glatzkopf mit der Nickelbrille, der vorhin den Fußgänger gejagt hatte. „Warum? Ich schaue nur zu, dass niemandem etwas passiert…“ Schon hat er mir mit Gewalt das Handy entrissen. Jetzt werde ich auch laut, halte aber einen Sicherheitsabstand, weil ich nicht mit der Stirn auf dem Bordstein landen will.

Ich bezichtige ihn des Diebstahls. Er faselt einen Paragraphen herbei, irgendwas von Urheberrecht am eigenen Bild und künstlerischer Freiheit. Ich mache aber keine Kunst, ich filme, wie Sondereinsatzkommandos Berliner Spaziergänger verhaften – und Zuschauern die Handys klauen. Dann behauptet er, eine Kamera sei “genauso wie ein Messer.”

Der Räuber, den ich aufgrund seiner Rädelsfüherschaft für den Einsatzleiter halte, schreit uns einige Minuten an. Seine drei Schergen stehen um uns im Halbkreis und streifen langsam ihre Lederhandschuhe über, um uns einzuschüchtern. Der Boss, der immer noch mein Handy hält, droht mir an, meine „Personalien festzustellen“, wenn ich nicht sofort verschwinde. Ich hole meinen Personalausweis heraus und sage, dass ich mir von ein paar „Idioten“ nicht verbieten lasse, Straftaten zu filmen.

Sofort entreißt er mir den Ausweis und stapft damit zur Fahrerkabine, vorgeblich um meine Personalien zu prüfen. Mein Handy, dass er die ganze Zeit ohne mich zu fragen durchsucht hat, nimmt er einfach mit. Seine drei Kollegen, Nummer 95387, Nummer 43290 und Nummer 59981, stehen immer noch zugriffsbereit um uns beide herum, bis ihr Chef zurückkehrt. Solange führen wir eine typisch sinnlose Debatte mit diesen lizenzierten Wegelagerern.

Als der Chef zurückkehrt, ist er vom Räuber zum Vandalen aufgestiegen. Er stellt sich großkotzig zwischen seine Komplizen und bietet mir an, „mal allein, ganz tief entspannt“ mit ihm um die Ecke zu gehen. Obwohl er ganz gut gebaut ist, antworte ich, dass ich lieber bei meinem einzigen potentiellen Zeugen bleiben würde – ich vermute, dass er nicht besonders zärtlich ist. „Gut, dann bleib ich halt auch bei meinen Zeugen, mal sehen welche Seite später die stärkere ist.“ Der arrogante Seitenhieb zeigt: er weiß, er kann sich blind auf Mama Justizia verlassen.

Der Hooligan verkündet, er habe mein Handy einer „Grobsichtung“ unterzogen, was im Rahmen des Gesetzes „vollkommen zulässig“ sei. Dabei habe er mein mühsam angefertigtes Video, das zufällig auch seinen Angriff enthielt, gelöscht. Ich stelle fest: „Sie haben Beweismaterial gelöscht.“ Er antwortet dreist: „Genau.“ Dann sagt er, er werde meine „Straftat“ nicht weiter verfolgen, müsse aber meine Personalien aufnehmen, um eine „Beleidigung“ zu melden.

Jetzt verstehe ich, warum er „unter vier Augen“ mit mir sprechen wollte – damit seine Untergebenen nicht mitbekommen, dass er mein Beweismaterial vernichtet hat. Man könnte ja tuscheln in der Umkleidekabine. Wahrscheinlich wollte er mir anbieten meine „Beamtenbeleidigung“ zu überhören, wenn ich mich vom Acker mache. Mein Kollege hat die Geistesgegenwart, die Unterhaltung mit dem Handy aufzuzeichnen.

Bevor der Chef zurück zur Fahrerkabine geht, um die „Beleidigung“ zu melden, händigt er mir demonstrativ mein Handy aus und verbietet mir, weiter zu filmen. Ich stecke es sicherheitshalber ein, solange wir noch umzingelt sind. Währenddessen schreibe ich mir auf einem Notizblock die Dienstnummern der drei Kumpane auf. Der mittlere, mit der Nummer 59981, verdeckt sie hinter verschränkten Armen und zeigt sie erst nach mehrmaliger Aufforderung.

Dann beordert uns der Chef nochmal zur Fahrerkabine. Ich will seine Nummer aufschreiben, aber er hat sie von der Uniform entfernt. Ich fordere ihn eindringlich auf, mir seine Nummer zu nennen. Er nennt mir die Nummer „081500“ – da „0815“ sich sehr dadaistisch anhört, frage ich seine drei Kollegen ob die Nummer stimmt – zwei sagen mir „ja“, der dritte behauptet, die Nummer nicht zu kennen. Sie wirken angespannt, als würden sie ihren Chef bei einer Straftat decken.

Schnell führen die Beamten im Inneren des Wagen den Verhafteten aus dem Wagen, die anderen steigen eilig ein. Sie sind wegen uns schon länger hier als sie möchten, obwohl mir einer ganz entspannt versichert, „wir werden für unsere Zeit bezahlt – ihr etwa nicht?“ Ich filme noch den abfahrenden Einsatzwagen, um wenigstens das Gesicht des Einsatzleiters zu erwischen, der als Beifahrer neben der jungen Kollegin sitzt.

Der Entlassene erzählt uns, er sei verhaftet worden, weil irgendwer gemeldet habe, dass irgendwo eine Frau geschlagen wurde. Außerdem musste er sich im Wagen nackt ausziehen, was wohl lediglich der Befriedigung seiner Peiniger diente. Er erwähnt auch, dass ein weißblonder, dicklicher Polizist, der erst kurz vor Abfahrt mit hochrotem Kopf aus dem Wagen hervorstolperte, ihn im Wagen geschlagen habe.

Dabei ist er offensichtlich unschuldig – andernfalls wäre er ja nicht sofort wieder entlassen worden. Leider konnten wir seine Misshandlung nicht filmen und er scheint kein Interesse daran haben, weiter gegen die Polizei vorzugehen.

Da der Verhaftete nur gebrochenes Deutsch spricht, müssen wir auch annehmen, dass seine Festnahme einer „internen Grenzkontrolle“ diente. Die Polizei verhaftet razzienartig „verdächtig aussehende“ Menschen unter Vorwand, in der Hoffnung bei ihnen ungültige oder gar keine Papiere zu finden. „Verbrechensbekämpfung“ ist nur ein grüner Deckmantel für tiefbraune Lebensraumpolitik.

Wie mein Kollege und ich sehen konnten, hatte sich der Mann nicht gegen die Festnahme gewehrt, sondern war ruhig allen Befehlen gefolgt. Es war also sehr angemessen, diesen Einsatz zu filmen. Leider sah das der diensthabende Einsatzleiter anders und nahm – wie gewohnt – das Recht in die eigene, ledergepanzerte Faust.

Wir werden versuchen, rechtliche Konsequenzen für diesen staatlich geprüften Verbrecher durchzusetzen, aber wie wir leider aus Erfahrung wissen, ist die rechtsradikale Gewalt von Polizist_innen diejenige mit der geringsten Aufklärungsquote.

Hier nochmal die wichtigsten Daten:

Wann: 15.9.2014, 18.15 – 18.45

Wo: Ecke Naumburgerstr./Lahnstr., Berlin-Neukölln

Kennzeichen des Einsatzwagens: B-31115

Einheitsnummer: 13

Reale Dienstnummern: 94387, 43290, 59981

Angebliche Dienstnummer des Einsatzleiters: 081500