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Gedanken über Hetzartikel in der Zeit über Asylproteste

Original-Artikel hier: http://www.zeit.de/2014/28/asylrecht-fluechtlinge-syrien/seite-2

“Einen “hässlichen, herzlosen Fleck auf dem Grundgesetz” hat der Schriftsteller Navid Kermani das deutsche Asylrecht neulich im Bundestag genannt – und stehende Ovationen vieler Abgeordneter dafür bekommen.”
– Dem Grundgesetz und dem darauf basierenden “ersten deutschen Friedensstaat mit globaler Verantwortung” stehende Ovationen zu geben ist ja auch die Daseinsberechtigung des Bundestags. Schöngeister wie Kermani glauben vielleicht an das vollherzige Grundgesetz, aber Heimatromantik ist ja auch Alpha und Omega der Religion.

“Da die Kapazitäten an Unterkünften, Betreuung und Toleranz begrenzt sind, belegen immer häufiger Armutsflüchtlinge die Plätze, die Kriegsopfern aus Syrien dringend fehlen. Und da drängt sich durchaus die Frage auf, die Flüchtlingsorganisationen hassen: Wer verdient unseren Schutz?”
– Das Asylrecht hat mit Schutz soviel zu tun wie Drogenbekämpfung mit Suchtprävention. Der Asylantrag wird durchreisenden mit Polzeigewalt aufgezwungen, denn wer ohne Visum durch Deutschland reist – und nicht aus einem NATO-Staat kommt – wird erstmal eingeknastet und dann umgehend abgeschoben. Einen anderen Weg nach Deutschland einzuwandern als Asylantrag mit anschließender Kettenduldung gibt es für viele Leute nicht.

“Schneller abschieben – das hat die Union schon früher gesagt. Das Novum, die politische Revolution heute, ist der Nachsatz: um mehr andere aufnehmen zu können. Mehr von denen, die uns wirklich brauchen.”
– Die Welt braucht Deutschland wie Hitler. Die BRD ist ein parasitäres Biest, dessen Tentakel weit über die EU-Peripheriestaaten reichen. Jetzt lässt es sich Sklaven frei Haus liefern.

“Wir tun viel”, hat Bundespräsident Gauck am Montag bei der Evangelischen Akademie in Berlin gesagt, während von draußen die Protestchöre hereinschallten, “aber nicht so viel, wie es uns selbst manchmal scheint.”
– Gauck schiebt vielleicht seinen Kirchenfreunden viele Aufträge für die Überwachung von Geflüchteten zu. Und dann in Rostock deutsche Eichen pflanzen; in Deutschland wird nichts Gutes wachsen, bis Ayatollah Gauck und seine Union zu Dünger zerfallen sind.

“Während die Zahl der Flüchtlinge wieder wächst, formiert sich eine militante Unterstützerbewegung aus den Kreisen der “Antideutschen”, einer Fraktion der linken Szene, zu deren Weltbild die Überzeugung gehört, dass Deutschland fremdenfeindlich sei und bleibe.”
– “Antideutsche” habe ich in meinen über 2 Jahren als Teil der genannten Bewegung nie gesehen oder gehört. Ebensowenig wie islamische Organisationen, Kulturvereine oder Christdemokrat_innen. Grüne, Regierungssozialist_innen und Kirchenleute habe gelegentlich hinter Podientischen sitzen sehen und generell neigt diese Lumpenbourgeoisie dazu, unsere Forderungen nur aufzugreifen, um sie dann zu untergraben.
Wer nicht einsieht, dass der Nachfolgestaat des Dritten Reichs tendenziell “fremdenfeindlich” ist und solche Behauptungen sogar einer angeblich allgegenwärtigen Politsekte, die “Deutschland verunglimpfen” will, anheftet, sollte lieber für den Kopp-Verlag arbeiten oder Landser-Hefte schreiben.

“Manche Unterstützer raten den Flüchtlingen zu Hungerstreiks oder dazu, ihre Pässe wegzuwerfen, wie der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BaMF), Manfred Schmidt, berichtet.”
– Die Zeit hält es nicht für nötig die Rolle der “Service-Agentur” BaMF zu hinterfragen, welche eher der “Reichszentrale für jüdische Auswanderung” entspricht. Ihre Hauptaufgabe ist es, GeStaPo-artige Verhöre an notleidenden Menschen zu vollziehen, um sie schnell ins Elend zurückzuschicken.
Hungerstreiks sind traditionelle Mittel in Gefangenenprotesten. Viele Geflüchtete haben mehr als einen Hungerstreik – und eine Haft – hinter sich, bevor sie in Deutschland landen. Und hier gehts gleich weiter mit Haft und Hungerstreik.
Wenns nach uns Unterstützer_innen ginge, würden die Geflüchtete_n Nähkurse machen oder Reggaelieder singen.
Die Pässe werden weggeworfen, damit das BaMF die Menschen nicht deportieren kann. Das macht so gut wie jede_r Geflüchtete_r, bevor er/sie mit diesen ominösen “Unterstützern” in Kontakt tritt – denn die ersten paar Monate sieht er/sie nur Bullen, Beamte und Sozialarbeiter_innen.

“Der Vergleich zwischen Flüchtlingsauffanglagern der Bundesrepublik und Nazikonzentrationslagern geht vielen ganz locker über die Lippen. Immer öfter kam es zu spektakulären Selbstschädigungen. Ein iranischer Flüchtling in Würzburg ließ sich während seines Hungerstreiks den Mund zunähen, ein anderer verletzte sich mit Scherben.”
– Der Marsch aus Würzburg wurde ausgelöst durch den Selbstmord eines Asylsuchenden. Selbstmorde und selbstzerstörerische Lebensweisen sind in den Lagern Alltag. Das liegt nicht an den Menschen, sondern an den Lagern. Der Zweck dieser Lager ist Abschreckung durch Zersetzung – und daher können wir sie auch nicht “Heime” nennen, denn Heime dienen der Unterbringung und können – falls die Person nicht zwangseingewiesen wurde – auf eigenen Wunsch verlassen werden.

“Die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann, die das Desaster von ihrem Amtsvorgänger geerbt hat, sah schließlich keine Wahl mehr und holte die Polizei.”
– Monika Herrmann hat – anders als Schulz – weder den Oranienplatz noch die Schule jemals gedeckt, sondern ihre Endlösung war immer die gewaltsame Räumung mit anschließender Lagerunterbringung mit Aussicht auf baldige Abschiebung.

“Aber wenn die Leute abends im Fernsehen Flüchtlingen als Hausbesetzer sähen, dann dächten viele: ‘Die tanzen uns auf der Nase herum, die Politik ist hilflos. “Dieser Eindruck darf auf keinen Fall entstehen.'”
– Dieser Eindruck muss auf jeden Fall entstehen, damit Henkel, Herrmann und die Zeit ihre Hosen runterlassen und ihrem faschistischen Dünnpfiff freien Lauf lassen können. Dann erkennen “die Leute” vielleicht, dass der Abschaum oben schwimmt.

“Ich erlebe außerdem manchmal, dass in ganz konservativen Gemeinden Bürgerinitiativen entstehen, die sich ›ihre Flüchtlinge‹ nicht wegnehmen lassen wollen. Wir sind da wirklich sehr weit gekommen.”
– Eben das. In Italien bezahlt der Staat aussterbende Käffer in Kalabrien, um minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Überall hängen Toleranz fordernde Poster und “das Leid der Flüchtlinge” fehlt in keinem Gottesdienst. Ach ja, und jede_r Geflüchtete hat eine_n staatlich geförderte_n Aufseher_in italienischer Nationalität, die/der seinen/ihren “Flüchtling” niemals hergeben würde. Die Geflüchteten sitzen rum ohne ordentliche Papiere und warten auf den Sanktnimmerleinstag. Die Privatisierung der Flüchtlingspolitik endet, wie jede Privatisierung, mit der Leibeigenschaft.

“Doch die Grünen und viele Unterstützer von Flüchtlingen weigern sich beharrlich, den Zusammenhang zwischen Regulierung und Akzeptanz zur Kenntnis zu nehmen. Wann ist das grüne Boot voll?”
– Wie soll mehr Regulierung zu mehr Akzeptanz führen? So wie härtere Drogengesetze zu mehr Akzeptanz für Drogen führen? Die “Grünen Gutmenschen” mit Unterstützer_innen in einen Pott zu werfen hört sich an wie “Schwul-Schwarze Hippiechaoten erobern Deutschland.” Volksverhetzung mit Diplom. Gute Arbeit.

War in Afghanistan – 2009 and 2013

[This post contains confusing references to various uncles and cousins. I have a confusingly large family.]

On September 4, 2013, Bundeswehr pilots dropped two bombs on a wrecked oil truck outside of Kunduz in northern Afghanistan, killing more than 100 civilians. Just weeks before the Bundeswehr massacre, I visited the district where it happened and witnessed the “peace-keeping effort.”

I traveled to a burial in Char Dara from Kabul with a convoy of relatives. Our Toyota van crossed the mountains without any major interruptions. Just a few hours from Kunduz, a long line of cars stood on the road. Our driver halted. The men got out and told me to stay inside.

Someone told me there was a shoot-out on the road between NATO soldiers and “taliban.” In my patchy conversations with Afghans, anyone with a gun and no uniform was a “taliban,” regardless of actual affiliation.

I heard clapping fusillades in the distance. A straight road stretched for about a kilometer. Occasionally, turbaned men ran across under the noon sun. A dozen or more Toyotas stood on each side of the danger zone, men in huddles besides them.

In the late summer of 2009, there was a large NATO offensive against “insurgents” around Kunduz. Locals and officials claimed these “taliban” had come to Afghanistan from Chechnya and other former Soviet regions. Fighting could break out anywhere and civilians were shot and bombed all the time.

So it was this day. After two hours of waiting, a cousin called on the phone, telling us to drive through the skirmish and hold a rag out of the window as a “white flag.” One after the other, the cars passed, each waving a rag. When we drove through, I saw the gunmen waiting in the shrubs.

Half an hour after our passage, we got a call. The van my uncle and cousin drove in had been shot. They had not waved a flag. A gunman had fired a warning shot, causing the driver to speed up, so the shooter emptied his magazine on the van. One passenger had a bullet in his belly and was in critical condition. A bullet had grazed my cousin’s thigh. My uncle and the driver were unharmed.

Our family gathered at a relative’s house in Kunduz to spend the night. The next day, we drove out to Char Dara, although people had warned us against it. Some of my relatives worked for German organizations and were contractually prohibited from leaving their hotels, for fear of attacks. My car passed the last ISAF post, a small hill stacked with sandbags, shielding scared soldiers waiting for orders. This post must have been Elevation 431 (“Höhe 431”), which was fortified the next year.

One aim of the 2009 Bundeswehr “Operation Eagle” – the first offensive since World War II – was to establish a permanent outpost and “pacify” Char Dara, because many fighters used this Pashtun “exclave” as a retreat. (Northern Afghanistan is inhabited by various Central Asian peoples and separated from the Pashtun tribal lands in the south by the Hindu Kush mountains.)

The other aim of the offensive was to reinforce the rule of the Kabul government shortly before the 2009 national elections. Karzai is often called the “Mayor of Kabul.” He is in the same situation as his Soviet-backed predecessors.

Villagers support insurgents out of fear or common interest. ISAF “justice” makes no difference. News report that civilians die in “clashes” between “forces” not in attacks by Western mercenaries. Before my 2009 visit, an uncle’s house in Char Darah had been destroyed by Bundeswehr bombers, because they suspected he was hosting “terrorists.”

Back in 2009, most relatives had already fled to Kunduz or Kabul. Afghans flee the hinterland not because of poverty – they still starve in the cities – but because the country is a war zone. Rockets also fly into Kabul every night, but the city has 5 million inhabitants. Even Obama can’t kill them all; in Char Darah: Yes, he can!

I stayed in Char Dara only for one day. I fell asleep in a garden hut on our walled estate, so I missed the burial, but my cousins and uncles woke me up. Armed men had interrupted the funeral and kidnapped the same uncle who survived the previous day’s shooting.

Gunmen had surrounded our farm. Apparently they wanted to take some rich visitors for ransom, including me and my relatives from Kabul. My cousins, uncle and I climbed over a wall behind a shed into a neighbors farmyard. We hid in his living room for some hours. Every Afghan house is fortified by a 3 meter wall, and I was happy for it.

My uncle phoned his German colleagues, but they were unable to help. Somehow, relatives from the village brokered a deal. Before nightfall, we were able to leave the village in taxis, driving past the insurgents’ sentries. The kidnapped uncle returned a few hours later. In those two days, I learned to stay away from angry people with guns. 4 years later, the Bundeswehr still hasn’t gotten the message.

This year, another “anti-rebel offensive” (Pajhwok) has driven the last members of my extended family from the district. On June 4, 2013, ISAF soldiers raided 15 villages and killed civilians, some of them relatives of mine. The “offensives” have evolved into a war, soldiers massacre people daily. Peace is further beyond the horizon than Communism. My relatives would like to come to Germany – to flee the German soldiers in their own country. But migration is illegal, unless you have a gun and a uniform.