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Raus aus dem Schrank

Politische Anklagen nicht den Geschichtsbüchern überlassen

Ob Aaron/Balu/Thunfisch aus der Rigaer (Körperverletzung, Widerstand  usw.), Ali Hıdır Doğan (§129) oder die „Luxemburg 6“ des March 4 Freedom in Luxemburg (bewaffnete Rebellion) bzw. die „Röszke  11“ in Ungarn (Terrorismus) – auch die Demokratie nutzt strafrechtliche Anklagen gegen politischen Protest. Es geht nie um die Vorwürfe – meistens Lappalien – sondern um das was die Angeklagten wirklich wollten.

Die Kriminalisierung spart den Anklägern eine Auseinandersetzung mit den Inhalten. Aber genau hier müssen wir unterscheiden – bei „regulärer“ Kriminalität will der Verbrecher andere fertig machen und sich selbst bereichern. Bei der politischen Kriminalität können diese Motivationen mitspielen, aber die Angeklagten verfolgen Ziele, die ein Teil der Öffentlichkeit unterstützt. Das macht sie gefährlich.

Die Ziele müssen vertuscht werden – es geht um Krawall, Unordnung, Verunglimpfung ehrenwerter Institutionen. Deshalb fallen die Strafen höher aus, wenn man den Prozess nutzt, um seine Forderungen zu bekräftigen, anstatt wie ein gewöhnlicher Verbrecher die Strafe zu schlucken und Reue zu heucheln.

Gegen die Luxemburg 6 wurde die Anklage mehr als 2 Jahre nach dem Vorfall erhoben – selektiv gegen die Asylbewerber unter ihnen. Ursprünglich waren viel mehr Leute festgenommen und die Beweislage gegen alle ist dünn. Es ist anzunehmen, dass Luxemburg sich durch die harten Vorwürfe als würdige Hüterin der anvertrauten EU-Institutionen behaupten will. Nicht nur die anwesenden Polizisten empfanden es als Frechheit, dass die AktivistInnen es wagten, dieses „friedfertige Imperium“ zu attackieren.

Politische Gefangene sitzen nicht irgendwo in der Türkei oder in Russland – Merkel ist ebenso fleißig wie Erdogan beim Einsacken linker TürkInnen und ebenso faul bei der Verfolgung von Jihadis.

Besonders gefährlich wird es, wenn Oppositionelle wagen Organisationen zu gründen. Die Rigaer 94  ist ja fast so etwas wie eine Vereinigung. Wer sich zu einer verfolgten Organisation bekennt, wird allein dadurch schon kriminell.

Doch gerade durch Prozesse gegen Einzelne können sich lose Gruppen festigen. In Deutschland – wo Geldstrafen überwiegen und implizite Berufsverbote schlimmstenfalls zu Hartz IV führen – brauchen wir Mut zur Organisation. Weg mit den ganzen „Kontexten“ und „Bezugsgruppen“, mit der Anonymität, der Konspiration und dem Wortsalat. Das ist kein „verborgener Kampf“ sondern nur ein Leben im Schrank.

 

Demo gegen Abschiebungen nach Afghanistan Berlin

Vor der bayerischen Landesvertretung in Berlin demonstrierten heute ca. 50 Leute gegen eine Sammelabschiebung nach Afghanistan aus München. Unten Fotos und der Info-Text zur Demo.

Hintergrund:
Nach Informationen des bayerischen Flüchtlingsrat soll am 22.02 die nächste Sammelabschiebung nach Afghanistan, diesmal von München aus, stattfinden. Wie bei den letzten beiden Sammelabschiebungen auch, lässt es sich stark vermuten, dass auch diesmal wieder die Fluggesellschaft Meridiana die Flüge nach Kabul durchführen wird. So ein Flug lässt sich die Bundesregierung 300.000€ kosten, laut Angaben des parlamentarische Staatssekretär Dr. Ole Schröder im Innenausschuss am 25.1. 2017. Was für Meridiana nichts weiter als ein lukratives Geschäft ist, ist für hier Schutzsuchende ein Todesurteil! Dabei darf kein Mensch gegen seinen oder ihren Willen in einer Maschine transportiert werden. Des Weiteren liegt es am Ende am Piloten oder an der Pilotin und nicht am Bundesgrenzschutz ob die Maschine abhebt. Somit macht sich Meridiana mehr als nur mitschuldig an der menschenunwürdigen Abschiebepraxis der Bundesregierung.
Wir sagen: Afghanistan ist nicht sicher – Aus Abschiebungen ein Geschäft zu machen ist nicht nur fradwürdig sondern auch zynisch!
Was kann ich tun:
Gemeinsam werden wir am Tag der möglichen Abschiebung die Fluggesellschaft Meridiana auf verschiedenen Kanälen als besorgte Kund*innen kontaktieren um gegen diese Abschiebungen zu protestieren. So mehr wir sind desto effektiver ist der Protest!

Kontaktdetails:
Meridiana Abfertigungsbereich München Airport:
TEL: +49 6031737630
EMAIL: info@apg-ga.de
Call Centre aus Deutschland:
TEL: +49 5218988052
EMAIL: callcenter@meridiana.com
Soziale Medien
Facebook: https://www.facebook.com/meridiana
Twitter: https://twitter.com/Meridiana
Whatsapp: +39 3470767469

Beispiel Telefonfaden:

Guten Tag, können Sie mir sagen, wann die nächste Maschine nach Kabul geht?

Mir liegen Informationen vor, dass eine Maschine Ihrer Fluggesellschaft an Abschiebungen nach Afghanistan beteiligt ist, können Sie mir bestätigen, dass niemand gegen seinen Willen dort sitzt?

(Ho ricevuto informazioni che un apparecchio della vostra compagnia aerea è coinvolto nelle deportazioni verso l’Afghanistan. Potete confermare che nei vostri aerei non siede nessuno contro la propria volontà?)

Afghanistan ist zur Zeit nicht sicher, finden Sie es nicht etwas fragwürdig, dass Ihr Unternehmen Schutzsuchende dorthin transportiert?

(L’Afghanistan non è sicuro al momento: non trova sia una scelta discutibile che la sua azienda trasporti lì persone in cerca di protezione?)

Wäre es möglich, dass Sie den Kapitän und das Bordpersonal darüber informieren, dass Sie niemanden gegen Ihren Willen transportieren müssen?

Könnte ich eine Beschwerde einlegen, dass Ich als besorgter Kunde es sehr unangenehm finde, dass Ihr Unternehmen sich an Abschiebungen nach Afghanistan beteiligt.

(Bitte bleibt im Gespräch höflich gegenüber den Agenten und versucht das Telefonat so lange wie möglich zu halten)

Beispiel Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es liegen mir Informationen vor, dass heute eine Maschine Ihrer Airline nach Kabul fliegt um Geflüchtete Menschen nach Afghanistan abzuschieben. Ob diese Passagiere freiwillig transportiert werden und ob sie dann in ein sicheres Gebiet angekommen, ist dabei mehr als fragwürdig. So schreibt der neueste Bericht der Vereinten Nationen über einen Rekordanstieg von getöteten und verletzen Zivilisten im letzten Jahr. Zur Zeit ist es deshalb mehr als gefährlich, Menschen, die hier Schutz suchen gegen Ihren Willen nach Afghanistan abzuschieben.

Deshalb möchte ich Sie als besorgter Kunde Ihrer Airline Sie darum bitten, diesen und auch derweil keine weiteren Abschiebeflüge nach Afghanistan durchzuführen.

Falls die Passagiere dennoch Ihre Maschine betreten, möchte ich Sie darum bitten, dass Sie den Kapitän und das Bordpersonal davon informieren, dass die Passagiere warscheinlich gegen Ihren Willen und unter Gewalt der Polizei die Maschine betreten haben.

Ich appelliere an das Gewissen Ihres Unternehmen, nicht an den fragwürdigen Abschiebungspraktiken nach Afghanistan teilzunehmen und Menschen, die hier Schutz vor Krieg, Gewalt und Folter suchen, nicht in eine ungewisse Zukunft auszuliefern.

Mit freundlichen Grüßen,

Solidarity for Ibrahima

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Ibrahima (Name geändert) ist ein 22-Jähriger Geflüchteter aus Gambia. Er wurde 2015 im Görli von einem Zivilbullen in die Falle gelockt. Inzwischen sitzt er seit über einem Jahr seine Haftstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten ab.

Freunde von Ibrahima veranstalteten am 22.2. eine Sponti vom U-Bhf Turmstraße zur JVA Moabit, wo Ibrahima einsitzt. Ca. 20 Leute waren trotz kurzfristiger Ansage anwesend. Zudem demonstrierten die Anwesenden gegen die Kriminalisierung von Shivam, der bei der Antifa-Walpurgisnacht festgenommen wurde und gegen die kürzlich bekannt gewordene Polzeigewalt in Frankreich.

Ibrahimas Strafmaß ist absolut unverhältnismäßig. Nicht nur in Bayern oder Texas kommt man schnell wegen ein paar Gramm Gras ein paar Jahre in den Knast, auch im Rot-Rot-Grünen Berlin. Ibrahima wurde zum zweiten Mal mit ca. 5 Gramm Marijuana und ein paar zerknüllten 5-Euro-Scheinen erwischt. Daher geht das Gericht von “gewerbsmäßigem” Handel aus.

Besonders perfide ist die Definition – “gewerbsmäßig” ist der Drogenhandel, wenn die Einnahmen einen erheblichen Teil zum Lebensunterhalt des Dealers beitragen. Heißt also, ärmer du bist, umso eher wirst du als gewerbsmäßiger Dealer eingestuft.

Aber das Märchen von dem armen Junkie und dem BMW-fahrenden Dealer können wir schon lange in der Pfeife rauchen. Die Kunden im Görlitzer Park sind größtenteils “Kreative” aus geregelten Verhältnissen, Lumpenbourgeoisie, deren Gier nach Afrikas Schätzen nicht bei Kaffee und Kakao endet.

Die “bösen” Dealer – halbe Kinder, die irgendwie nach dem Inferno der Sahara und des Mittelmeers in der Berliner Kunsthölle gelandet sind.

Einer von ihnen ist Ibrahima. Weil er versuchte vor der Festnahme zu fliehen, wurde ihm sogar noch Widerstand vorgeworfen. Dabei sagte der festnehmende Polizist vor Gericht aus, das von Widerstand gar keine Rede sein kann.

Die Aussagen der Polizisten, die an Ibrahimas Verhandlungstag blau machen können, sind aufschlussreich. Junge Beamtenanwärter dürfen hier an den Flüchtlingen im Görli ausleben was sie draufhaben, um sich vor der Truppe zu beweisen. Henkels “Task Force” – nichts als ein Sklavenjängertrupp.

Es geht um Quoten, wie damals, als Leopold II. sich aus dem Kongo abgehackte Hände schicken ließ. Darum möglichst viele Asylbewerber aus nichtigen Gründen zu kriminalisieren.

Daher: Freiheit für Ibrahima, Freiheit für alle die Jungs von Görlitzer Park, die sich im Winter Sonntags 6 um früh den Arsch abfrieren, damit Bürgerliche Weiße Wixxer sich pünktlich die Ration Hirnpampe abholen können, um am Montag wieder die Grüne Propaganda über den bunten Ponyhof runterwürgen zu können.

Ferienwohnungen – Rroma räumen, Geschäftemacher belohnen!

Stoppt die Vertreibungspolitik! Keine Amtshilfe für rassistische Kleingewerbetreibende! Solidarität für Proteste der Unterdrückten – mit allen nötigen Mitteln!

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Stolze Weltbürgerin for ihrem arisierten Laden – man beachte den Hinweis auf die Seminare der “Regenbogen-Akademie” rechts außen im Fenster.

Berlin, 8.6.2016. Gestern erreichte mich eine SMS, dass heute Morgen um 10 ein Wohnhaus in der Emser Str. geräumt werden soll. In dem Haus wohnen vor allem Rroma-Familien zu überteuerten Mieten.

Vor Ort erfuhr ich Genaueres: Die Rroma werden nicht sofort geräumt, aber das JobCenter Neukölln will ihre Mieten nicht mehr zahlen, weil sie in Ferienwohnungen leben. Das ist ein Skandal! Das Zweckentfremdungsverbot für Wohnraum sollte eigentlich die Mieter schützen.

Stattdessen wird es genutzt, um dem Miethai das Haus gratis leerzuräumen! Die Rroma sind sicher nicht zum Urlaub in dieser Bruchbude.

Nach der brutalen Räumung des Denkmal für die ermordeten Sinti und Rroma letzte Woche kommt gleich die nächste Vertreibungsaktion im bunten Berlin.

Es kommt noch doller – wenige Meter gegenüber von dem Haus befindet sich das Esoterik-Business, das letzte Woche durch ein „Roma verboten“ Schild Schlagzeilen machte.

Anstatt die Hippie-Faschistin zu bestrafen, bestraft der Bezirk Neukölln ihre Opfer! Ihre Selbstjustiz wird nun offiziell belohnt!

Wir sollten uns fragen, wer hier ausgeraubt wird und  wessen Kasse am Ende klingelt.

Der Vorzeigebezirk Neukölln versucht die Rroma mit aller Gewalt in die Obdachlosigkeit zurückzuprügeln. Ist das „anerkennende Kulturpolitik“ oder einfach nur Nationalsozialismus 2.0?

Als ich ein Foto von dem Schaufenster des Ladens mache, stürmt die Besitzerin heraus und versucht mir die Kamera abzunehmen. Ich will ihr erklären, dass ich bloß die Fassade fotografiere, wäre ja nicht verboten. Sie  beschimpft mich als „Arschgeige“ und droht mich wegen Volksverhetzung anzuzeigen.

Kurz davor hatte ein alter Deutscher mit Cowboyhut – kein typischer Räucherstäbchen-Kunde – vor ihrem Laden gestanden und sie offenbar für ihren „Widerstand“ ermutigt.

Durch das Schild konnte sich ein gewisser Stiftungs-Chef in der Springer-Presse als Bürgerrechtler profilieren. Bei der Räumung des Denkmals eine Woche zuvor hatte er gemeinsam mit der Politprominenz geschlossen hinter den deutschen Polizisten gestanden.

#allebleiben – Rroma-Widerstand im SO36

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Video der Veranstaltung (Diskussion ab Minute 22:27):

Berlin-Kreuzberg, 25.5.2015. 2 Tage nach ihrer brutalen Räumung vom Mahnmal sprechen die protestierenden Rroma vor ca. 50 Leuten im SO36.

Sie berichten über die Pogrome im Kosovo. “Seit dem NATO-Bombardement 1999 ist mein Leben die Hölle”, sagt einer. Ihre Kinder werden mit Autos angefahren, von Skinheads abgestochen, vergewaltigt.

Die Familien sterben vor sich hin auf den Müllhalden Ex-Jugoslawiens. Mir unverständlich ist daher die Frage aus dem Publikum, ob man es den Kindern zumuten könnte, eine Sommernacht auf dem feuchten Rasen des Mahnmals zu verbringen.

Wenn sie im Kosovo verrecken (höchste Kindersterblichkeit in Europa; Lebenserwartung 48 Jahre), stört es Deutschland auch nicht. Aber die ganze Republik flennt,  wenn einem Baby vor dem Bundestag die Nase läuft. Liebe Leute, ihr seid nicht die Opfer, also hört auf zu heulen! Die Diskussion immer wieder auf das Mahnmal zu richten, lenkt vom heutigen Elend ab.

Wer sowenig Respekt vor den Lebenden hat, hat auch keinen Respekt vor den Toten. “Nicht mal Blumen lagen dort, als wir es besetzten”, sagt ein Sprecher. “Wenn ihr euch so um eure Leute sorgt, wo wart ihr dann am Sonntag?”

Nach der Veranstaltung gab es ein längeres Plenum. Es fehlt an tatkräftiger Unterstützung. Zu den Podien kommen und Erklärungen vorlesen, dafür finden sich viele, aber wo ist das ganze Geld, dass Vereine mit Rroma-Bildung, Rroma-Aufklärung, Rroma-Gedenken, Rroma-Theater oder Speisekartenaktivismus umsetzen?

Die ca. 30 Familien sind nur bis Dienstag untergebracht. Für 5000 Euro könnte ein paar Wohnungen anmieten und alle sicher unterbringen, damit sie ihrem Protest in Würde weiterführen können. 5000 EUR sind Peanuts für die Kirche, die Stiftungen, die Stadt.Soviel kosten 15 Minuten Polizeieinsatz.

In der Zeit könnte man für die Leute dauerhafte Lösungen finden, Publicity machen. Spendet auf der Homepage von Alle Bleiben! Ihr habt vielleicht nicht alle Zeit, aber mit viel Kleingeld können wir diesen Protest am Leben erhalten. Die Alternative ist, dass die Leute langsam aushungern!

Das nächste Care-Meeting ist am Freitag, den 27.5.2016 um 18h im KuBiZ in Weißensee. Wir brauchen Leute, die dauerhaft vor Ort unterstützen, Ausweichorte suchen, einkaufen gehen, usw. Vor allem die Männer dürfen sich angesprochen fühlen!

Kommt alle! Wir bleiben alle!

Opre Rroma – Denkmal für Sinti & Rroma besetzt

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Mehr Fotos hier

Sonntagnachmittag, 22. Mai, 2016, Berlin.

Circa 30 Rroma-Familien besetzen das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Rroma. Ich komme gegen 21 Uhr an. Banner sind aufgehängt und circa 30 Unterstützer_innen sind auch da. Die Cops blockieren den Haupteingang, also schleiche ich durch den Busch aufs Gelände.

Einige Typen von der Stiftung für Mahnmäler, augenscheinlich alles Vollblutkartoffeln, versuchen die Protestierenden zu überreden, freiwillig das Mahnmal zu verlassen. Sie wollen, dass wir die Nacht über am Brandenburger Tor sitzen. Sie versprechen, dass am nächsten morgen die allerwichtigsten Politiker zu unserer Pressekonferenz antanzen würden und schwingen die Moralkeule…

Später kommt ein „echter“ Rroma dazu, der stundenlang auf die Leute einredet.

„Das hier ist ein Mahnmal und das ist ein Symbol […] wir dürfen nicht mit Symbolen spielen.“

Er ist übrigens Schauspieler.

Als ein Deutscher ihn fragt, warum nicht lebenden Rroma dieses Mahnmal nutzen dürfen, um gegen ihre schleichende Ermordung zu protestieren, antwortet der Schauspieler: „Das sind die Seelen meiner – so please one step back. Ich hab nichts gegen Antideutsche – aber ich bin ein Deutscher! Spielt nicht mit unseren Leuten!“

Eben war er noch ein Deutscher. Also Schauspielern kann er.

Einer der Rroma-Aktivisten antwortet: „Ich kämpfe fünf Jahre für Bleiberecht, tausende Demonstrationen gemacht und nichts erreicht. Ich habe eine Duldung – Abschiebung.“

„Ok Bruder – nichtsdestotrotz, ich will nur dass du verstehst: Das hier, das ist der Platz der Toten.“

„Ich mache jedes Jahr Trauertag am 5. August, als 500 Rroma an einem Tag umgebracht wurden. Wir haben uns damals auch beschützt – Öffentlichkeit gemacht.“

Die Politiker kommen erst nach Dunkelheit. Volker Beck von den Grünen, Hakan Tas von den Linken. Sie reden ungefähr dasselbe: Geht friedlich, damit es keine unschönen Bilder gibt, ihr könnt die Nacht am Brandenburger Tor rumsitzen und am Morgen bringen wir ganz wichtige Leute.

Ihr Fußvolk von der Mahnmal-Stiftung läuft rum und versucht den Besetzer_innen Angst zu machen: Der Bundestagspräsident Lammert hat die Räumung angeordnet, dann kommt viel Polizei, denkt doch an die Kinder. Keiner denkt daran, die Aktion zu unterstützen. Sie denken, dass sie im Jackett rumstehen, wäre schon genug Ehre für uns.

Sie sagen, dass es eine Abmachung gibt zwischen allen Sinti/Rroma-Verbänden und der Regierung, das Mahnmal nicht für Aktionen zu benutzen. Das Mahnmal ist eine einzige Image-Aktion für die BRD. Dann sollte Gauck hier auch keine Veranstaltungen abhalten.

Ein Mann und eine Frau springen in den Teich. Keiner der Politiker oder Stiftungsfuzzis interessiert sich, die labern abseits mit den Bullen, die überall mit Kameras und Blendlicht rumstehen.

Als einige Bullen einrücken, bricht eine Frau zusammen, ein Notarzt muss kommen. Sie wollen sie ins Krankenhaus bringen, aber sie bleibt, obwohl sie erst kürzlich einen Herzinfarkt hatte. Die Angst vor Abschiebung zerstört ihre Gesundheit.

Unsere „Freunde“ aus der Stiftung reden von der Ehre der Toten, aber diese Frau riskiert ihr Leben. All diese Leute riskieren ihre Kinder und sich selbst, um nicht auf eine Müllhalde abgeschoben zu werden. Die Deutschen interessieren sich nur für die Toten, während täglich Rroma ermordet werden, weil die „Bunte Republik“ sie massenweise in den Osten deportiert. Wo ist das Denkmal für die von der EU ermordeten Sinti und Rroma?

Keiner geht, alle bleiben. Nach Mitternacht rennen die Polizisten aufs Gelände. Kleine Kinder brechen vor Angst zusammen, die Leute schreien und flehen. Volker Beck und seine Stiftungsbrüder stehen irgendwo ganz weit weg. Mir  brechen sie fast die Handgelenke. Ich tippe diesen Text mit tauben Fingern.

Alle werden vor die Mauer des Tierparks gebracht, schräg gegenüber vom Brandenburger Tor. Die „Friedensstifter“ reden weiter auf die Leute ein: „Die Polizei ist da, um in diesem Land für Ordnung zu sorgen.“ Es ist zum kotzen. Wir ziehen ab.

Heute geht die Aktion weiter. Kommt zu der Pressekonferenz heute um 11 Uhr am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti Europas: http://oplatz.net/roma-days-pressekonferenz/

Deutschland Trans-Racial

Ich bin ja sonst nicht für heimische Produkte, aber wenn wir „kulturelle Aneignung“ suchen, dürfen wir ruhig mal im teutonischen Wald jagen. Ist es nicht Safari-Tourismus, wenn wir in die USA browsen, um mit dem Finger auf Trans-Racial Rachel zu ballern oder arische Zottelköpfe mit der Schere durchs Zeltlager jagen? In der deutschen Leitkultur ziehen doch sehr saftige Mistviecher herum, warum schützt uns die PoC-lizei nicht mal vor denen?

Einer der mich sehr *traumatisiert* hat ist z.B. Stephan J. Kramer: Dieser Bundeswehrleutnant war CDU-Mitglied und konvertierte zum Judentum (und zur SPD), um Generalsekretär des Zentralrats der Juden zu werden. Unter dem Linken Ministerpräsidenten Ramelow wurde Kramer dann 2015 Chef des Thüringer Verfassungsschutzes.

Ein „jüdischer“ Chef der Geheimpolizei! Da soll niemand sagen, in Deutschland können Minderheiten keine Karriere machen – manche machen sich sogar zur Minderheit, damits schneller geht. (Einige Uni-Jobs verlangen ja schon einen „Nichtarier-Nachweis“ (plus Doktortitel).)

Warum rühren die Medien den Kramer nicht an? Wahrscheinlich lernt er auf Arbeit mächtigere Leute kennen als Trans-Rachel, die war ja nur Ortsgruppenleiterin einer belanglosen Lobbygruppe.

(Obama ist ja eigentlich auch nur eingeheirateter Afroamerikaner; seine engste Familie ist weiß und er hat nie im Schwarzen Amerika gelebt. Wer denkt, dass Obama Schwarz ist, ist ein Rassist.)

Zusätzlich zu falschen Hasen wie Kramer *traumatisieren* mich zahlreiche ExpertInnen, teils im Pyjama, teils im Anzug, immer im Fernsehen, die mir erklären, wer ich bin und was ich will.

Die deutsche Trans-Rachel wäre wohl Khola Maryam Hübsch, Ahmadiyya-Sprecherin, laut ARD-Morgenmagazin das „öffentliche Gesicht der muslimischen Frau in Deutschland“ und „gern gesehener Gast in Talkshows“. (Wikipedia) Stört auch niemand, weil sie ja eigentlich ganz versöhnliche Sachen sagt. Nur ist sie leider deutsch. Bei Ariern im Bettlaken denke ich eher an Ku-Klux-Klan als an kulturellen Dialog. (Und bei muslimischen Frauen denk ich nicht an „öffentliche Gesichter“, aber das ist bestimmt mein internalisierter Rassismus.)

Tatsächlich predigt die Ahmadiyya-Gemeinde eher kulturelle Unterwerfung, bzw. „Liebe und Loyalität zum Vaterland“. Könnte erklären, warum Frau Hübsch so gern nach Berlin eingeladen wird.

Abgesehen davon, dass die Ahmadiyya bei der muslimischen Mehrheit ungefähr so anerkannt sind, wie Asylbewerber in Sachsen, erinnert mich dieser seidig verhüllte Versuch eines deutschen Nationalislams mit Bio-Geschmack schmerzhaft an den „Reichsverband nicht-arischer Christen e.V.“ – ein verzweifelter Versuch konvertierter Juden, von der NS-Rassengesetzen ausgenommen zu werden.

Wie der große sowjetische Schriftsteller Ilya Ehrenburg, Enthüller der Shoa, schon sagte: “Wenn ich als Jude angegriffen werden, muss ich mich auch als Jude verteidigen.” Und wenn sich ein Deutscher als irgendwas anderes verkleidet, dann sollte man ihn auch dafür angreifen.

Bis jetzt hat es kein Zentralrat (oder Anwärterverband) geschafft, die heutigen Rassengesetze zu beeinflussen. Minderheitenverbände führen bestenfalls zu Ghettoisierung auf gehobenem Niveau. Was bringt es, wenn du bei der Kanzlerin zum Tanztee eingeladen wirst, während die Grenztruppen „deine“ Minderheit durch den Wald jagen?

Please help me Dr. DIK!

So ist es kein Wunder, dass die Deutsche Islamkonferenz (DIK) von Wolfgang “desch Abschieble” Schäuble initiiert wurde. Diese CDU-Hilfstruppe gibt vor, 3,3 Millionen als Muslime rassifizierte Einwohner der BRD zu vertreten und setzt sich vor allem für die religiöse Indoktrinierung von Kindern ein. Also schickt die CDU gleichzeitig Relgionslehrer an Schulen, um Kinder zu islamisieren und anderseits Verfasschungsschützler, um die Jugendlichen zu “entradikalisieren”.

Präskriptive Toleranz und Überwachung – verblöden und wegsperren – das ist wohl diese “kultursensible Erziehung” von der alle Reden. Die Nazis freuen sich, wenn ich mich auf Bartpflege und Nachwuchs beschränke.

Walter Rathenau, Top-Manager und SPD-Außenminister, zog selbst über die “rückständigen Juden” her und wollte sie assimilieren.Sein Artikel “Höre Israel” könnte von Sarrazin stammen. Als Dank für seine treuen Dienste wurde Rathenau 1922 von Faschisten ermordet. Theodor Herzl andererseits, geistiger Vater des Zionismus, wollte zuerst alle Juden zum Katholizismus konvertieren. 1895, da war Hitler gerade 6, ging Herzl dazu über, die “freiwillige Ausreise” der deutschen und österreichischen Juden zu fordern.

Doch zurück zum heutigen Kulturzirkus: Weitere Leute die mich gar nicht amüsieren, sind ehemalige Sozialarbeiterinnen mit ausländischem Namen und deutscher Ausbildung, die mit Skandalromanen und Trash-Comedy Karriere machen. Ist es nicht sowas wie Blackfacing, wenn ich mir Selbstbräuner in die Fresse schmiere, um Hauptschüler nachzuäffen? Gut, mit 16 habe ich das auch gemacht, aber niemand bezahlte mich fürs blöd sein, also musste ich mir nen richtigen Job suchen.

Von Mundstuhl bis Erkan und Stefan war dieses Privileg auch nur für Deutsche (und schon damals hat sich niemand aufgeregt). Soll ich mich jetzt „empowert“ fühlen, weil Jilet Ayse von einer „richtigen“ Türkin gespielt wird? Ich glaube eher, dass Jungburschis in Zehlendorf sich durch solche Witzfiguren befriedigt fühlen.

Ja, Skandal! Überall Rassismus, im Bundestag, im Supermarkt und in meinem Sockenfach! Wenn man sich darüber aufregen will, gibt es viele Ziele in der BRD. Leider können die Radikalen besser nachplappern als nachforschen. Ich würde mich sehr über hausgemachte Enthüllungen zur deutschen Weltverschwörung freuen, anstatt Fertigware aus Amerika zu fressen. Dann würden wir endlich diesen ekligen Dauerkonsens durchbrechen und hätten was zum Streiten.