Privatverhandlung für Nazi-Mörder (mal wieder)

21.3.2016, Amtsgericht Tiergarten, Berlin. Wieder wird die öffentliche Teilnahme am Prozess gegen den mutmaßlichen Nazi-Mörder Rolf Z. verhindert:

  1. Das Gericht verlegte den Bericht in den Hochsicherheitssaal 500, nachdem die Burak B.-Ini zur öffentlichen Beobachtung aufrief. Das Gericht begründet die Zwangsmaßnahme damit, dass die Burak B.-Ini „linksextrem“ sei. Dieses Urteil stammt wahrscheinlich aus fundierten Beobachtungen des Verfassungsschutzes, denn im Strafgesetzbuch steht dieses Verbrechen noch nicht.
  2. ZuschauerInnen müssen sich vor betreten des Gerichts komplett filzen lassen und alle Gegenstände außer Bleistift, Notizblock und Ausweis abgeben. In jeder Sitzungspause müssen sie im kalten Treppenhaus stehen, manchmal bis zu einer Stunde lang.
  3. Die Personalausweise der ZuschauerInnen werden kopiert und archiviert, um „etwaige Störer“ leichter zu identifizieren. Angeblich werden die Kopien nach jeder Sitzung zerstört und nicht weiter verwendet (siehe Foto). Dass ist gelogen. Als ich heute gefilzt werde, haben die SaalwächterInnen noch meine Ausweiskopie von letzter Woche. Als ich darum bitte, dass meine Ausweiskopie wie auf dem Zettel angekündigt nach der Sitzung (nicht nach dem Prozess!) vernichtet oder mir ausgehändigt wird, droht die Justizangestellte mich zum nächsten Termin einfach rauszuschmeißen.

Mir gelingt im Laufe der Diskussion, ein Foto von der im Durchsuchungsraum aufgehängten Notiz zu machen. Wir können davon ausgehen, dass die Identitäten der ZuschauerInnen gespeichert und eventuell gegen sie verwendet werden. Prozessbeobachtung ist vielleicht nicht strafbar, aber bestraft wird sie trotzdem.

Rolf Z. Zettel Gericht

“Ablichtung von Personaldokumenten: Auf Anordnung der/s Vorsitzenden Richterin/s sind die Personaldoukumente […] der Zuhörer durch Justzizbeamte abzulichten. Die Ablichtungen werden den Polizeibehörden n i c h t ausgehändigt. Diese Maßnahme soll eine schnelle Identifizierung etwaiger Störer ermöglichen. Eine Datenerfassung der Ausweisdokumente erfolgt n i c h t. Die Ablichtungen werden von einem Justizbeamten beschleunigt der/m vorsitzenden Richter/in überbracht und nach Sitzungsende vernichtet.”

Zum Prozess selbst:

Heute ist der dritte Verhandlungstag. Zuerst sagen ein Zeuge und eine Zeugin aus, die am Tatmorgen gegen 6 Uhr den tödlich angeschossenen Luke Holland auf der Bordsteinecke Ringbahnstraße/Walterstraße vor der Bar „Del Rex“ fanden. Der Täter stand mit abgesenkter Schrotflinte neben dem Opfer und wird von beiden Zeugen als der anwesende Rolf Z. erkannt.

Dabei versuchen die Verteidigungsanwälte alles, um ihren Mandanten zu verstecken. Als eine Zeugin zur Ankeklagtenbank tritt, stehen sie sogar auf und versuchen ihr die Sicht zu versperren! Der Richter lässt diese Aggressionen unkommentiert. Erst auf Nachfrage von Nebenklageanwalt Daimagüler wird offenbart, dass seine Anwälte Rolf Z. rieten „Kooperationshandlungen generell zu unterlassen“. Das geht soweit, dass Rolf nicht mal aufsteht, damit Zeugen ihn richtig sehen können. Anscheinend will Verteidiger Sebastian Schmidt wirklich darauf hinaus, dass nicht Rolf Z., sondern ein anderer Waffenfetischist mit Ledermantel, weißen Haaren und Schrotflinte Luke Holland ermordet hat!

Während der Verhandlung blickt der schmierige Schmidt immer wieder zuckend ins Publikum, er wippt hin und her, fasst sich ins Gesicht, nuschelt seine wirren Anträge herunter und schnauzt den Nebenklägeanwalt und den Richter an.

Die Aussage der Zeugin: Sie war seit 0 oder 1 Uhr im Del Rex, hatte wenig getrunken. In der hippen Bar war ihr ein „Altberliner Typ“ aufgefallen, der „einsam“, „schräg“ und „deplatziert“ wirkte. Als sie auf eine Bestellung wartete, machte dieser Typ den Barkeeper auf sie aufmerksam und lächelte sie freundlich an. Sie hielt ihn für einen Bekannten des Barkeepers und dachte sich nichts weiter dabei.

Kurz vor 6 hörte die ganze Bar einen lauten Knall, aber weil in der Gegend Kids häufig mit Böllern spielen, hatte sich niemand etwas dabei gedacht. Ca. 10 Minuten danach trat die Zeugin mit ihrem Bekannten, ebenfalls Zeuge, vor die Tür.

Dort lag ein Mann auf dem Boden. Eine offene Bauchwunde deutete an, dass es kein Betrunkener war. Auf der Straße vor der Bürgersteigecke stand seelenruhig ein weißhaariger Mann mit langem Ledermantel, eine abgesenkte Schrotflinte in der Hand.

Den zwei Zeugen war nicht klar, dass auch sie in Gefahr waren. Der Zeuge wandte sich sofort dem Verwundeten zu, die Zeugin redete mit dem Bewaffneten: „Was soll das? Was ist hier los?“ Er ignorierte sie, rief in die Nacht: „Wo ist der Andere?“ Dann ging er zur Bar, wollte die Tür öffnen, drehte sich aber im letzten Moment um und ging davon. Die Zeugin redete weiter auf ihn ein, weil sie wirklich nicht fassen konnte, was passiert war.

Warum er die Waffe trage, fragte sie ihn. „Die habe ich zu meinem Schutz.“ „Warum rufen Sie keinen Krankenwagen?“ Als sie ihm nachläuft, dreht er sich ruckartig um und zielt mit der Waffe auf sie. „Lass mich in Ruhe!“ Erst jetzt spürt sie die Gefahr, weicht zurück. Der Täter schlendert davon und wird wenig später ohne Waffe, aber immer noch sehr entspannt, von der Polizei aufgegriffen. Auch diese Zeugin betont, dass der Täter ausgesprochen zurechnungsfähig wirkte.

„Wir haben wohl nicht in seinen Plan gepasst“, sagt die Zeugin. Er wartete wohl auf ein zweites Opfer, wurde aber durch die Zwei durcheinandergebracht. Wären sie nicht zuerst aus der Bar gekommen, hätten sie nicht so unfassbar mutig reagiert, wäre wohl noch ein Mensch gestorben.

Der Schuss fiel laut Aussagen von NachbarInnen um 5.52 Uhr. Der Notruf der ZeugInnen ging um 6.04 Uhr ein. Die Zeugin gibt an, erst eine gefühlte halbe Stunde nach dem Knall die Bar verlassen zu haben, also vielleicht 10 Minuten in Echtzeit. So lange muss also Rolf neben dem sterbenden Luke Holland auf sein zweites Opfer gelauert haben. Er hätte sehr leicht unerkannt fliehen können. Warum floh er nicht?

Es spricht aber gegen einen Amoklauf, dass Rolf Z. (oder sein mysteriöser Doppelgänger) die ZeugInnen unbehelligt ließ und von einem Zweiten sprach. Warum er es auf Luke abgesehen hatte ist (noch) nicht klar. Die Frage „Ist Rassismus das Motiv?“ fasst zwar die politische Bedeutung zusammen, aber es steckt mehr dahinter.

Die Zeugin ist Schwarz. Wenn Rolf Z. wirklich das Psycho-Nazi wäre, als das die Justiz in zeichnen will, hätte er sich doch mindestens abfällig dazu äußern müssen. „Die“ sind doch so impulsiv… Doch nicht mal die Dummen, welche die Medien als „Grenze des guten Geschmacks“ definieren, sind so übermotiviert. Meistens warten sie auf einen Befehl, bevor sie abdrücken. Erhielt auch Rolf Z. Befehle?

Es war kein Zufallsmord, kein Amoklauf. Auch Burak B. starb durch einen gezielten Anschlag. Vielleicht wurde Rolf nicht direkt befohlen, Leute niederzuschießen, aber er könnte belastendes Wissen haben. Daher seine Flucht in die Öffentlichkeit?  Solange ihm der Prozess gemacht wird, kann er nicht einfach ausgeschaltet werden. Die Hauptrolle im Prozess besetzen Rolfs großmäulige Verteidiger, die alles tun, damit der „Altberliner Typ“ seinen Altberliner Schnauze hält und niemanden belastet. Man kann auch im Fall Rolf Z. von einer Selbstenttarnung sprechen.

Je mehr sich die Behörden sich wie Verschwörer benehmen, umso naheliegender die Verschwörungstheorie. In Rolfs Wohnung fand die Polizei Munition und schwere Waffen. Sein Bruder hat anscheinend eine Schießanlage in seinem Keller. Und Rolf Z. war in der Gegend zumindest so bekannt, dass er als Verdächtiger im Fall Burak B. genannt wurde. Das alles spielt in diesem Prozess bislang keine Rolle. Es geht um Formalitäten: Wie sah der Täter aus? Wieviele Läufe hatte die Flinte? Waren die ZeugInnen betrunken?

Wer ist dieser „einsame“, „schräge“ und routiniert mordende „Altberliner Typ“? Warum verschwinden in den Ermittlungen Hintergrundinformationen? Woher hat er zwei derart hartnäckige Anwälte? Warum soll er als Psychopath dargestellt werden? Warum versucht die Verteidigung immer noch, die Identität des mehrfach eindeutig Identifizierten zu leugnen? Würde es das Strafmaß nicht eher mildern, wenn Rolf Z. Reue heuchelt und sich mit  schäumenden Maul aus dem Gerichtssaal tragen lässt? Und vor allem: Warum ließ Rolf Z. sich so leicht fassen? Vielleicht weil er durch den Mord an Burak wusste, dass Berliner PolizistInnen unfähig sind einen Mörder zu fassen, selbst wenn er ihnen auf den Streifenwagen scheißt… ähhh „schießt“?

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