Rolf Z. trifft Freunde und Helfer

Der mutmaßliche Doppelmörder ist vor Gericht in besten Händen

 

TAZ, 24.9.2014: Polizisten verprügeln in ihrer Freizeit einen Schwarzen, nachdem er Zivilcourage zeigt. Sie bleiben im Dienst.

 

Tagesspiegel, 26.10.2015: Berliner Polizist außer Dienst attackiert zwei britische Touristen in Neukölln mit Messer, weil sie „zu langsam über die Straße geschlendert sind“.

BZ, 29.11.2015: Polizist schießt leukämiekranken Mesut B. vor den Augen seiner Frau bei einer Verkehrskontrolle nieder. Er fühlte sich bedroht.

Und nun der Fall Luke Holland. Der 31-jährige Oxford-Absolvent wurde von dem 62-jährigen Nazi Rolf Zielezinski nach einem Barbesuch mit einer Schrotflinte auf offener Straße per Bauchschuss hingerichtet. Rolf passte anscheinend nicht, dass in seiner Stammkneipe kein Deutsch mehr gesprochen werde. Das erklärt vielleicht die Tat, aber nicht den Täter.

Sein Fehler: Rolf Zielezinski ist kein Polizist, sondern arbeitsloser Betonbauer, illegaler Waffenbesitzer und Hitler-Fetischist. Vor so einem muss uns die Justiz ja schützen.

Tut sie aber nicht. Erstens gibt sie solchen Leuten angesehene Jobs, zweitens hat Rolf Z. die Polizei quasi mit vorgehaltener Waffe gezwungen ihn festzunehmen. Schon beim Mord an Burak B. 2012 wurde Rolf Z. von einem Zeugen als möglicher Täter genannt. Trotzdem verweigerte die Polizei eine Gegenüberstellung der Mordzeugen mit Rolf Z.

„Die Ermittler sagen, sie seien der Frage längst nachgegangen“

Die Polizei hätte den Mord an Luke Holland verhindern können, wenn sie richtig nach dem Mörder von Burak B. gesucht hätte. Was weiß Rolf Z., dass er sich so sicher fühlt?

Hält jemand die Hand über ihn? Einer der Zeugen des Mords an Burak beantragte nun erneut Rolf Z. gegenübergestellt zu werden – die Polizei lehnte ab. Dem Anwalt der Zeugen wurde sogar gerichtlich verboten, ihnen Fotos von Rolf Z. zu zeigen!

Wenn das „Beeinflussung von Zeugen“ ist, wie nennt man es dann, wenn die Kripo den Zeugen Fotos wahlloser „Südländer“ zeigt und den kiezbekannten „Waffennarr“ deckt?

Angeblich war Rolf Z. der Polizei nicht als „organisierter“ Nazi bekannt. Na, bekannt war er aber, sonst hätte der Zeuge ihn nicht als Mörder von Burak B. genannt. Süd-Neukölln ist durchsetzt von Nazi-Cliquen. Da kann mir keiner erzählen, dass es keine Akten gibt.

Wir müssen erwarten, dass die Staatsanwaltschaft versuchen wird, diesen Terroristen als „verwirrten Einzeltäter“ zu verharmlosen. Deshalb hat die Nebenklage unter NSU-Opfer-Anwalt Daimagüler auch einen psychologischen Gutachter bestellt.

Der sammelt während der Verhandlung Hinweise aus Zeugenaussagen und aus Rolf Z.s Verhalten, um zu belegen, dass er nicht verrückt ist. Eine Schande, dass der Staatsanwalt kontrolliert werden muss: Eigentlich sollte er ja dem Angeklagten auf die Pelle rücken. Die Nebenklage sollte eigentlich keine Polizeiarbeit machen.

Erster Verhandlungstag am 14.3.2016, Amtsgericht Tiergarten. Die ersten Zeugen sind die Polizisten, die Rolf Z. in der Tatnacht festgenommen haben. Ihrer Aussage nach machte er einen gefassten Eindruck, obwohl mehrere Cops in Zivil ihn mit gezogenen Waffen auf der Straße anhielten.

Die Polizisten betonen, dass Rolf Z. geistig gesund wirkte. Im Einsatzfahrzeug habe er behauptet, von einem Mittelalterfest in Oranienburg zu kommen, wo er etwas zu viel Honigwein getrunken habe.

Auffällig wie im NSU-Prozess ist die hochwertige Verteidigung: Strafverteidiger Sebastian Schmidt torpediert den Prozess ab Beginn durch seitenlange, absurde Anträge.

Rolf Z. hingegen sieht aus wie einer, dem nicht mal in der Kleiderkammer was geschenkt würde: Nikotingelbe Mähne, struppiger Bart, kantige Visage. Wie kommt so einer an Föhnwelle Schmidt und seinen tuschelnden Co-Verteidiger? Sind auch sie Gesinnungsjuristen, so wie Heer, Stahl und Sturm, die Pflichtverteidiger von Zschäpe, die hauptberuflich Befreiungsaktionen für Bankster durchführen?

Dem Richter liegt mehr daran, die lächerlichen Anträge der Verteidigung zu „beraten“, als ein Urteil zu erwirken. Zum Beispiel behauptet der Verteidiger, dass die Übereinstimmung der Schmauchspuren an Rolf Z.s Kleidung mit der Tatwaffe kein Beweis für seine Täterschaft sei und beantragt, den Staatsanwalt auszutauschen, weil er der Strafvereitelung schuldig sei. Für so einen Quatsch lässt der Richter das Publikum eine halbe Stunde im Portalaufgang frieren.

Das ist nicht die erste Schikane: Nachdem die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. den Saal 618 veröffentlicht hatte, verlegte das Gericht den Prozess in den Hochsicherheitssaal 500. Alle Beobachter_innen müssen sich filzen lassen und dürfen nur Bleistifte und Papier mit in den Saal nehmen. Allein dieser Vorgang dauert fast eine Stunde.

Versucht der Richter die Öffentlichkeit zu vertreiben? Egal, wir sind gerade erst warm geworden. Die weiteren Termine sind für Montags und Mittwochs im April 2016 angesetzt. Kommt alle zur Prozessbeobachtung!

Wie kam dieser Rolf Z. auf sein brutales Hobby? War er mal Soldat, Polizist, Wachmann, Bandenmitglied? Vielleicht Spitzel? Woher hat er die Professionalität, auf offener Straße einen Menschen abzuknallen und dann einen gemütlichen Nachtspaziergang zu machen? Warum deckt ihn die Polizei? Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Prozess Erkenntnisse liefert.

Es geht nicht um schwarze Schafe, sondern um die braune Herde

Wahrscheinlich wird Rolf Z. verurteilt und zum Hassverbrecher aufgebauscht. Gerade durch diese Verzerrung wird er verharmlost – ein Einzeltäter ist ja kein gesellschaftliches Problem. Aber Polizisten schießen nicht aus Hass, sondern auf Befehl.

Und wenn sie dazu tendieren, „Ausländer“ „etwas rauher“ anzupacken, dann liegt das nicht daran, dass sie nicht „sensibilisiert“ sind, sondern dass die BRD gerade kurz vor dem Schießbefehl steht. Deutsche Unsicherheitskräfte brauchen keine Delfintherapie, sondern Russenpanzer.

Auch im Fall Rolf Z. werden wir keine Aufklärung erleben, außer wir schaffen sie selbst. Es ist ein Schauprozess, der die Hintergründe der Morde an Burak B. und Luke Holland nicht antasten wird. Vielleicht kriegen wir Details über Rolf Z.s Essgewohnheiten oder seinen Pornokonsum. Dabei wüssten wir doch viel lieber, wer mit ihm unter der Decke steckt.

Termine:

Amtsgericht Tiergarten, Berlin
angekündigte Fortsetzungstermine:
16.3., 21.3., 23.3., 4.4., 6.4., 11.4., 13.4., 18.4. und 25.4. jeweils um 9 Uhr.

  1. April 2016, 14 Uhr, Rudower Str. 51, Krankenhaus Neukölln
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  1. Rolf Z. trifft Freunde und Helfer | Enough is Enough! - March 18, 2016

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