Gedächtnisprotokoll illegale Polizeikontrolle – Racial Profiling – südwestl. Ecke Waldemarstr./Adalbertstr., 3.4.2015, 16.10 Uhr

Ich saß im Erdgeschoss und sah vor der Tür eine Polizeikontrolle. 3 Beamte durchsuchten einen ausländisch aussehenden Mann, der vom Fahrrad abgestiegen war. Ihr regulärer Streifenwagen parkte auf in Fahrtrichtung auf der anderen Seite der Waldemarstraße.

Mich wunderte, warum sie seine Tasche und sogar unter seiner Mütze kontrollierten, obwohl er anscheinend nur eine Verkehrsordnungswidrigkeit begangen hatte. Ich ging zu den Beamten und fragte genau das. Immerhin hatte er seinen Ausweis – einen deutschen Personalausweis in der alten Version – freiwillig ausgehändigt und verhielt sich auch sonst sehr ruhig.

Der kleinste Polizist von den Dreien, ein blonder mit kurzen Haaren bat mich freundlich zur Seite, er würde mir das erklären. Sein größerer Kollege forderte mich etwas forscher auf, mich außer Hörweite der Beamten zu begeben, also stellte ich mich ca. drei Meter entfernt auf und wartete.

Der kleine Polizist hielt mir eine längere Ansprache, ließ mich nicht zu Wort kommen, und erklärte, diese Maßnahme sei zulässig, weil der Mann „Zeichen des Drogenkonsums“, wie glasige Augen usw. aufwies. Außerdem sei er über Rot gefahren.  Er erklärte mir sein Name sei Emmermacher (Nummer 59922, aber ich erinnere mich nicht exakt) und ich könne gerne zur Polizeidirektion Friedrichstraße gehen und mich über die Rechtmäßigkeit seines Verhaltens aufklären lassen.

Aus drei Metern Entfernung wirkte der Kontrollierte ganz normal auf mich. Er trug eine weiße Wollmütze, Jeans und eine Jacke, war nicht besonders auffällig gekleidet und hatte sich auch in letzter Zeit mal rasiert. Er war vielleicht 35, klein, normal gebaut, unscheinbar. Sein Fahrrad war ein altes, funktionales Damenrad.

Nichts wies darauf hin, dass er Händler oder Konsument von Drogen war – weder seine Kleidung, noch sein Verhalten. Den Anweisungen der Beamten kam er sofort nach, er schwankte oder schielte nicht und nahm mich auch wahr. Er sah einfach nur nicht Deutsch aus.

Ich sagte also, ich könne an dem Mann nichts Auffälliges erkennen, außer dass er etwas „fremdländisch“ aussehe. Der Polizist Emmermacher stockte sofort und sagte ich solle sehr gut aufpassen was ich jetzt sage, ob ich ihn des Rassismus bezichtigen wolle, denn dann würde er eine Anzeige wegen Verleumdung in Erwägung ziehen.

Ich fragte ihn, ob er mich verhaften wolle, in dem Fall müsste ich noch kurz meinen Ausweis aus dem Büro holen. Ich wäre froh gewesen, ihn vor Gericht wieder zu sehen. Natürlich war ich leicht aufgeregt, sein Kollege, der die ganze Zeit neben ihm stand, befahl mir die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, was ich auch tat.

Er versuchte mir „Ja sie sind ein Rassist!“ zu entlocken, mich aus der Fassung zu bringen. Ich sagte jedoch, er solle mich einfach verhaften, wenn ihm danach sei, ich wollte mich nicht noch deutlicher ausdrücken und ihm noch Munition liefern.

Der kontrollierte Mann war inzwischen weitergefahren, glücklicherweise hatten sie bei ihm nichts Belastendes gefunden. Wer sucht, der findet ja meistens und ich kenne Fälle von Leuten, die schon wegen des Mitführens einer Schere angeklagt wurden.

Zwei meiner Koleg_innen beobachteten die Szene aus der Fenstertür, aus ca. 5 Metern Entfernung. Die drei Polizisten entschieden sich, mich nicht feszunehmen. Ich wünschte ihnen noch viel Spaß und ging zurück ins Gebäude, sie fuhren weiter.

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