In gefährlichen PoliZeiten

Ein Polizeiforscher benennt die Überforderung, die bei vielen jungen Anwärter_innen ausbricht, wenn sie Demonstrant_innen gegenüberstehen.

Paranoide Reaktionen sind aber Resultat der Entmenschlichung, nicht der “wilden” Proteste. Die schwer gepanzerten, planlosen Polizist_innen müssen die Situation wie einen apokalyptischen 3D-Shooter wahrnehmen. Meistens wissen sie ja nicht mal wirklich, warum die Leute protestieren, sondern wurden aus ihrem Provinznest in die Stadt gekarrt um “Ordnung” zu schaffen, aus dem Transporter gepfiffen, rennen schwitzend durchs Getöse und sehen nur die Hälfte.
Ich habe öfters blutjunge Polizisten unter dem Helm weinen sehen, wahrscheinlich vor Wut – und nicht einmal in besonders brenzligen Situationen. Wenn so ein schwerbewaffneter, hormongeladener Jüngling ausrastet, dann ist das Resultat nicht anders, als beim gemeinen U-Bahn-Schläger. Da wird dann schonmal eine siebzehnjährige Gymnasiastin mit Pfefferspray geduscht und mit dem Kopf gegen den Einsatzwagen geschlagen.
Dass der tägliche Kriegszustand in dem sich die Polizei mit der Gesellschaft befindet Spuren hinterlässt, beweist auch der Fall Tino Prenzel und Felix Trautzsch. Diese zwei Berliner Kommissare waren an den Menschenjagden im Görlitzer Park beteiligt. Nach Dienstschluss gingen die beiden sturzbetrunken auf eigene Faust “Schwarzafrikaner” jagen. Ihr couragierter Einsatz für die Nachbarschaft endete damit, dass sie um 8 Uhr morgens einen unbeteiligten Bauarbeiter direkt vor dem Schaufenster einer Kita verprügelten. Die beiden sind noch im Dienst, wurden zu unerheblichen Geldstrafen verurteilt. Der Staatsanwalt setzte die Strafe so niedrig wie möglich an.
Der Zeugenaussage zufolge reagierten die zwei wie scharfe Hunde, waren nicht aufzuhalten. Wir dürfen nicht denken, dass nur weil die Cops noch besser trainiert, noch härter gemacht, sie “professioneller” handeln. Sie werden brutaler und gefährlicher. Wer nicht als Nazi in die Truppe geht, kommt als Nazi wieder raus.
Bürgerliche Stimmen, die das offen kritisieren, wie der kritische Polizist und ehemalige Bundestagsabgeordnete Thomas Wüppesahl (“50% der Bereitschaftspolizei sind rechtsradikal”), werden schnell ausgeschaltet. So hängten seine eigenen Kollegen dem kurz vor der Pensionierung stehenden Whistleblower ein Raubmordkomplott an. Die Gerichte spielten mit, verpassten ihm 4 Jahre Knast.
Die angeblichen “Verletzungen” die Polizist_innen erleiden, sind oft medizinisch gar nicht festzustellen, sondern dienen nur als Vorwand, um Demonstrant_innen anzuklagen und die Pressemeldung aufzuhübschen. Wer sich der Festnahme wehrt, hat schnell drei “schwerverletzte” Einsatzcops und die Staatsanwaltschaft am Hals.
Zur Legende der unparteiischen Polizei: Kaum eine linke Demo bleibt ohne Festnahmen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ließ 2013 eine spontane Spaßdemo gegen ihre eigene “Mehr-Pfefferspray-Kundgebung” stundenlang in der Kälte einkesseln und verprügelte eine Frau vor den Augen schockierter ver.di-Mitglieder.
Obwohl die Abkürzungsnazis jetzt wöchentlich in allen Großstädten aufmarschieren, Jugendliche durch Kaufhäuser jagen, Reporter_innen schlagen, verfassungsfeindliche Propaganda verbreiten, werden sie nie festgenommen. Die Pogrome Anfang der 1990er hätten ohne passive Unterstützung der Polizei nicht stattgefunden.
Einer der ersten Schritte Hitlers war, die damals sozialdemokratisch “unterwanderte” Polizei gleichzuschalten. Vielleicht wäre es Zeit das rückgängig zu machen.

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