Warum ich die Polizei hasse

Vor ca. zwei Jahren, als ich auf meiner ersten Antifa-Demo in Rostock war, hatte ich mehr Angst vor meinen Mitdemonstrant_innen als vor der Polizei. Sogar die weihnachtsfiebrigen Bürger_innen waren gruseliger als die Kampfeinheit in Spuckweite.
Ja, als Jugendlicher bin ich schon in die eine oder andere Polizeikontrolle geraten, die man in der Hauptstadt als “rassistisch” bezeichnen würde. Aber als Jugendlicher in Jogginghosen in einer reichen Kurstadt zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort mit gewissem Ruf angetroffen zu werden und dann noch sein Dope oder seine Sprühkanne schlecht zu verstecken ist halt gefährlich. Die Bullen sind da nur ein Risiko von vielen.
Auch als ich mal im Jugendarrest saß oder als Zeuge bei der Polizei aussagte, kam ich mir nicht besonders schlecht behandelt vor. Ich hatte ja schließlich was verbrochen – oder auch nicht – und die würden das schon ermitteln. Die machen ihren Job, ich mache keinen.
Als Jugendstraftäter oder auch als Berufskrimineller entwickelt man seinen Rhythmus mit der Polizei.
In der Gefangenensammelstelle sind “schwere Jungs” lockerer mit den Cops als hagere Studis. Das mag daran liegen, dass den Gangster und den Bullen nicht mehr als die Uniform unterscheidet. Gesellschaftsbild und Rollenverhalten sind sehr ähnlich.
Wirklicher Hass kommt erst auf, wenn man von einer Hundertschaft in einem ostdeutschen Asylbewerberheim verprügelt wird oder in einem abgesperrten Straßentunnel eingekesselt wird. Kinder vor Drogen zu schützen ist vielleicht ihre PR-Mission, aber in Wirklichkeit stecken sie nicht nur drogenkranke Kinder in den Knast, sondern auch diejenigen, die ihre Arbeit kritisieren.
Die Polizei ist da, um Aufstände niederzuschlagen. Die Reaktion der meisten Normalbürger_innen ist dann auch meistens: “Was hast du denn gedacht? Natürlich haun sie dir auf die Fresse!”
Kriminelle sind ja meistens Geschäfts-MÄNNER. Am Drogenumschlagsplatz oder im Schmuckeinzelhandel – die Bullen schützen die Großen und jagen die Kleinen. Das bisschen Marktregulierung kriegen die Unternehmerbanden doch selbst hin. Wie kann man glauben, dass in einem gewerblichen Staat die Polizei irgendein Gewerbe ernsthaft unterdrücken will?
Die Polizei bekämpft also nicht das Verbrechen, sie reguliert es und hilft ihm bei der Eroberung neuer Märkte. So können wir unter neoliberalen Staaten von Reagan bis Merkel sehen, dass der Drogenkonsum proportional zum Polizeieinsatz ansteigt. Eine wirkliche Gefahr ist das Business nicht.
Vor allem linke Ideen soll die Polizei unterdrücken. Winzige Demos gegen Zwangsräumungen oder Abschiebungen, die einen entfernt “sozialen” Anspruch haben, haben teilweise mehr Bereitschaftsbullen als Teilnehmende. Welche Drogenbande kriegt denn schon eine zwei-zu-eins Betreuung?
Es kommt also darauf an, warum man mit der Polizei zusammentrifft. Wenn mich die Polizei verhaftet, weil ich der Gesellschaft geschadet habe – dessen bin ich mir vielleicht bewusst oder auch nicht – dann richte ich meine Wut vielleicht eher gegen mich selbst. Aber wenn ich gegen gesellschaftsschädigende Gesetze protestiere und dafür von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt werde, dann wird mein Selbsthass durchbrochen.
Polizisten sind Verbrecher. Wie können Verbrecher Verbrechen bekämpfen? Auch Straßenbanden bekämpfen nie wirklich die Polizei – sie spielen Räuber und Gendarm. Das war übrigens in “antikapitalistischen” Staaten nie anders. Im GULAG drangsalierten Verbrecher und Lagerwachen gemeinsam die “Politischen”, in den brutalsten Einheiten der SS dienten nicht selten entlassene Sträflinge.

Advertisements

Tags:

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: