Lieber echter Ausländer als falscher Deutscher

Warum wird der Begriff “Ausländer” so sehr verdrängt? Während über das K-Wort, welches als Selbstbezeichnung komplett versagt, eine N-Wort-Debatte geführt wird: “Ist doch eigentlich voll empowernd!” Um solche Wixträume zu verstehen, müssten wir erstmal raffen, was “Redefinition” und “Signifying” bedeuten soll. Wir könnens aber auch lassen.
Ausländer ist doch ein schönes Wort – denn es drückt vor allem eins aus: Ich bin – um Gottes Willen – kein_e Deutsche_r. Deswegen nennt sich die Oma im Kopftuch und der Enkel in der Jogginghose gerne so. Alles andere ist nur Neusprech von der Bundeszentrale für Politische Bildung und die will nur eins: Brave Deutsche schnitzen und deinen Kopf ficken.
Und die zurechtgeschnitzten Ausländer_innen wollen, nach dem akademischen Titel, auch noch ihre Selbstbezeichnung “reclaimen.” Aber dieses “empowernde” Jargon hat einen doppelten Boden: Denn was bedeutet “Deutscher mit Migrationshintergrund” oder “Zuwanderer” oder “Deutsch-Blabla” als dass du ein_e unterentwickelte_r Deutsche_r bist?
Ausländer bewerten sich nicht nach deutschen Standards, sondern Deutschland nach ausländischen Standards. Nach ausländischen Standards ist Deutschland immerhin noch eine Besatzungszone. Nach eigenen Standards muss Deutschland “seiner internationalen Verantwortung gerecht werden” – indem es gerade den Dritten Weltkrieg anleiert. Den sollen mal wieder die Ausländer verlieren.
Aus deutscher Sicht sind “Ausländer” die Mehrheit der Weltbevölkerung. Bindestrichdeutsche aber sind vor allem Minderheiten in Deutschland. Warum sollte ich von einer globalen Mehrheit (gut 6 Milliarden Menschen) in eine Minderheit (8 Millionen Deutsche) wechseln?
Denn das Leiden einer “Minderheit” juckt die Mehrheit nicht. Erst wenn die Mehrheit der Leute merken, dass es ihnen allen scheiße geht und sie sich als Angeschissene wahrnehmen, kriegen sie ihren Arsch hoch. Minderheitendeutscher zu sein bringt mir also schonmal einen Scheißdreck.
Ich bin genauso ein Ausländer wie Mama und Papa (oder OmaOpa); meine Loyalität gehört zuletzt Deutschland und ich würde mich sogar mit dem Imperialismus oder den Mullahs verbünden, solange es Deutschland schadet. Denn das Gott und Kapital sind nur meine ideologischen Feinde – Deutschland ist mein sehr greifbarer Feind. Selbst wenn ich in Deutschland geboren bin, will ich lieber im ausländischen “Exil” sterben als im inländischen Zuchthaus. Und falls das Ausland mich nicht haben will – in Russland ist noch Platz für ein Neues Deutschland…

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