Kulturschock

Kein Genuss ohne Mittel
Vertrauen in Kittel
Kein Verstand für den Stand vor dem Amt
Der Anstand befiehlt Angst vor dem Mann
Raus ohne Frühstück doch nie ohne Haargel
Vorher kriecht dir durchs Ohrloch ein Kamel
Kindheit gesponsert von der Industrie
Chips, Cola, Playstation, Demokratie
Lebensstil vom TV abgeguckt
Eltern ernähren ein Massenprodukt
Nylonverkleidet mit drei Streifen auf beiden Seiten
Klares Zeichen – für Nadelstreifen wird es nie reichen
Pädagogen erklären dein Kind für gestört
Und du glaubst noch immer, dass es dir gehört
Der Arzt sieht die Kinder sind nicht mehr zu retten
Verschreibt mit ‘nem Lächeln diverse Tabletten
Die mögliche Heilung wird teuer und lang
Mach mit, sonst tanzt das Amt bei dir an
Proleten dienen durch Reproduktion
Das war schon so im ewigen Rom

 

Großes Bier in der Hand, dahoam in Berlinien
Peppiger Schnitt, saubere Linien
Fleischig, nicht fett, solide Leute
Selten zu treffen ohne die Meute
Im Café Kotti ‘nen Tisch reserviert
Der Abend wird von der Firma spendiert
Die Weihnachtsfeier dient der Erbauung
Lautes Lachen und laute Verdauung
Markenschachtel auf den Tisch legen
Buchhalterin sitzt entgeistert daneben
Bohrt verzweifelt in ihren Haaren
Horcht Heldentaten von den Balearen
Affektierter Dialekt und dröges Gelaber
Heimatverbundenheit für Steuerzahler
Fotos mit Samsiphone fürs Internet
Werbetrommel geladen, russisch Roulette

 

Frau Professor im einsamen Saal
Schädel aus Granit und Herz aus Stahl
Überfall auf Weltunternehmen
Streitwert reicht für zwei Menschenleben
Traditionsreiche Fehden mit Medienmogulen
Private Soirées mit fremden Konsulen
Genervte Diener, die sie verwöhnen
Friedensgala mit Tyrannensöhnen
Regierungsbezirk im verdunkelten Wagen
Minister bekommen gelbliche Kragen
Kaffee und Lachs für die Figur
Promicoiffeur für die Frisur
Lieber unter der Erde als unter Niveau
Das war schon bei den Patriziern so

 

Sudan bis Afghanistan
Musik aus Marzipan
Die Welt ist groß, der Horizont klein
Raus aus den Lumpen, rein ins Design
Freie Liebe, Konsumartikel
Hier wird das Paradies entwickelt
Untergebracht in einer Baracke
Backen so glatt wie die Lederjacke
Halbe Stunde bis die Haare kleben
Sex kann dich retten, fick um dein Leben
Kultur für die Massen, wer hat sie erschaffen?
Wer die Musik macht, schickt auch die Waffen
Der Modegeschmack und auch unsere Hobbies
Sind Produkte politischer Lobbies
Freizeitgestaltung bringt mehr als Raketen
Konsumverhalten verrät den Proleten
Jeder trägt stolz die Siegel von Ander’n
Wie will man da noch den Staat unterwandern?
Europa, alte Todesfalle
Diese Kultur ist fremder als alle

 

Manche Kulturen sind unversöhnlich
Bauer, Priester, Soldat und König
Doch geteilt nach Kasten und Rassen
Lernen sich die Bauern zu hassen
Dein sozialer Status folgt dir wie ein Fluch
Du aber folgst einem farbigen Tuch
Fürchte dich statt vor dem Unbekannten
Vor den Autoren “deiner” Gedanken
Deine Ästhetik und deine Vorlieben
Wurden wie Nägel in dein Hirn getrieben
In deinem Auge steckt ein Stock
Zieh in raus, erlebe den Schock
Kultur die deinen Verstand einschränkt
Wenn du sie los bist, fühlst dich fremd
Dann bleibt nur das interne Exil
Und kein Staat der Welt gibt dir Asyl

Advertisements

Tags: , , , , , , , , , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: