Camp night (guest post)

Draußen zwitschern ein Vögel und die Baustelle lärmt. Alles wird wach. Im kleinen Zimmer neben meinem Wohnzimmer hat vorhin ein Handywecker geklingelt. Jetzt rauscht die Bahn vorbei – erst laut dann immer leiser. Jemand versucht vergeblich seinen Motor anzulassen. Erst hustet das Auto, dann geht es aus. Irgendwer pfeift. Ich glaube er spricht mit seinem Auto. Ich höre die Großstadt.
Fabian ist laufen gegangen und es geht mir gut. Ich bin erschöpft, aber nicht müde. Zu viele Eindrücke von der Nachtwache im Camp, das Flüchtlinge hier in Berlin aufgebaut haben. Sie sind wochenlang von Würzburg bis hierher marschiert und haben dabei bewusst gegen ihre Residenzpflicht verstoßen.
Ich sitze am Lagerfeuer. Wahab, ein Afghane aus Pakistan erzählt mir, dass er das erste Mal in Berlin ist. Sein Deutsch ist sehr gut. Er sitzt schon die ganze Nacht am Feuer, seelenruhig. Zwischendurch kümmert er sich um einen jungen Unterstützer der aus Leipzig hergekommen ist, um zu feiern. Jetzt kümmert sich Wahab um den betrunkenen Jungen anstatt zu schlafen. Er wirkt ruhig und bedachtsam. Ich glaube er bleibt nur wach, weil er angespannt ist, nicht um Wache zu halten.

Nasim lerne ich während einer Nachtwache ein paar Tage zuvor kennen. Er sitzt im offenen Küchenzelt mit Jan um einen großen Topf Wasser über einer Gasflamme. Als ich sie nach Tee frage, bieten sie mir an mit ihnen zu lernen.
Nasim lernt Deutsch und Jan lernt Farsi. Ich frage Jan welche anderen Sprachen er spricht. Ein bißchen Englisch; was man halt in der Schule lernt.
Nasim erklärt, dass er eigentlich afghanisches Dari spricht, aber iranisches Farsi wäre ähnlich und würde von mehr Leuten im Camp gesprochen als Dari.
Jan spricht schon gut Farsi. Er erzählt mir, dass er fast jede Nacht kommt, um mit abwechselnden Lehrern zu lernen. Manchmal streiten die Lehrer über die korrekten Vokabeln.
Das einzige was ich von dieser Nacht noch weiß ist „Nam-e intschi hast?“ – „Wie heißt das?“ Ich mag die Logik der Sprache.

Ich will schon lange Farsi lernen, aber lieber von Menschen als von Büchern. „Nam-e tutschi hast?“ – „Wie heißt du?“ Das weiß ich auch noch. Die Sprache ist klangvoll. Ich mag die Melodie von Sprachen, ihre Laute, ihre vertrackten Strukturen, ihre Ursprünge, ihre Verknüpfungen. Rätsel und Puzzles zum selber bauen. „Nam-e intschi hast?“ klingt so schön wie die Nacht um die Flamme mit dem warmen Topf, wie Nasim und Jan. Sie wiederholen die selben Sätze und lachen so lange, bis ich müde werde, mich verabschiede und gehe.

Mal sehen wie lange sie durchhalten.

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